Gastbeitrag über Deutschlands koloniales Erbe

Auftrag für Wiedergutmachung

Es ist ein düsteres Kapitel, das das deutsche Kaiserreich vor 100 Jahren in Afrika schrieb. Deutschland muss sich intensiver mit seinem kolonialen Erbe auseinandersetzen, fordert Gastautor Ralph Saxe.
09.08.2018, 16:56
Lesedauer: 2 Min
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Von Ralph Saxe

Vor 100 Jahren endete das düstere Kapitel des deutschen Kolonialismus in Afrika und Übersee. Mit Großbritannien und Frankreich zählte Deutschland zu den größten Kolonialmächten in Afrika. Der Kontinent war um 1900 nahezu vollständig europäisch aufgeteilt. Der Völkermord an den Herero und Nama ist der Tiefpunkt.

Am 11. August ist Jahrestag der Schlacht am Waterberg aus dem Jahre 1904 zwischen deutschen Truppen und dem Volk der Herero. Die Herero sprechen lieber vom Gefecht von Ohamakari. 80 Prozent der Herero starben in der Folge, teilweise mit ihrem Vieh in der Omaheke-Wüste verdurstend. Überlebenden Herero wurden in sogenannte Konzentrationslager unwürdig eingepfercht und mussten Zwangsarbeit leisten. Auch beim Volk der Nama überlebte nur die Hälfte die deutsche Gewaltherrschaft.

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100 Jahre koloniales Vergessen aufgrund beispielloser Ignoranz und Arroganz sind erst in den vergangenen Jahren einer zaghaften Aufarbeitung gewichen. Die Bundesregierung hat zumindest vereinbart, dass die Erinnerung an die Verbrechen der Kolonialzeit ein Teil der deutschen Erinnerungskultur werden soll. Wirtschaftliche Interessen scheinen für die zögerliche Aufarbeitung mitverantwortlich. Forderungen nach Entschädigungen werden scheinbar nicht nur aus Namibia, sondern auch aus Togo oder Kamerun befürchtet.

Bremen spielte eine besondere Rolle in der Zeit des Kolonialismus. Die erste deutsche Kolonie entstand auf Betreiben des Bremer Kaufmanns Adolf Lüderitz im heutigen Namibia. Bremen sollte während der Nazidiktatur die deutsche Stadt der Kolonien werden. Das heutige Antikolonialdenkmal Elefant war als Reichskolonialdenkmal Ausdruck der starken neokolonialen Kreise in Bremen. Die Aufarbeitung begann in Bremen schon in den 80er-Jahren und setzt sich bis heute mit wachsender Intensität fort.

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Erinnerungskultur und Verantwortung dürfen kein Preisschild haben. Wir haben einen Auftrag für Wiedergutmachung und die Linderung der Folgen. Der Kolonialismus hat zu vielen heutigen Problemen Afrikas ursächlich geführt und ist eine Wurzel für Rassismus. Es gibt eine postkoloniale Ausnutzung Afrikas aus wirtschaftlichen Interessen. Deswegen ist eine solche Erinnerungskultur niemals nur zurückgewandt.

Wir brauchen eine Intensivierung der Auseinandersetzung mit unserem kolonialen Erbe. Es ist ein Versagen dieser Erinnerungskultur, dass es bisher keinen Erinnerungsort und Dokumentationszentrum in Deutschland gibt. Dieses Versäumnis endlich zu beheben, steht auf der aktuellen politischen Agenda.

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Zur Person

Unser Gastautor

ist Initiator des Bürgerschaftsantrags "Bremisches Erinnerungskonzept Kolonialismus". Er steht dem Verein Der Elefant! vor und ist einer der beiden Landesvorsitzenden der Grünen.

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