Affären Alte "Karachi-Affäre" bringt Sarkozy in Bedrängnis

Paris. Eine Affäre um Rüstungsgeschäfte und Schwarzgeld für Politiker aus den 90er Jahren bringt den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in Bedrängnis.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Paris. Eine Affäre um Rüstungsgeschäfte und Schwarzgeld für Politiker aus den 90er Jahren bringt den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in Bedrängnis.

Bei einer Durchsuchung im Wirtschaftsministerium sei kürzlich ein an Sarkozy adressiertes Schreiben über Kommissionen und Provisionen aufgetaucht, die illegal an Frankreich zurückgeflossen sein sollen. Die Zahlungen stehen laut Medienberichten im Zusammenhang mit einem U-Boot-Verkauf an Pakistan. "Dies könnte sich als Zeitbombe erweisen", schreibt "Le Parisien" am Dienstag unter Berufung auf Ermittler.

Das Schreiben sei von 2006, als Sarkozy Präsidentschaftskandidat gewesen war. Verteidigungsminister Alain Juppé kündigte an, dass auf Wunsch der Ermittler das Militärgeheimnis für weitere Dokumente aufgehoben werden soll.

Die sogenannte "Karachi-Affäre" geht auf die 90er Jahre zurück. Beim Verkauf von drei U-Booten von Frankreich an Pakistan waren hohe Kommissionszahlungen vereinbart worden, was damals noch legal war. Ein Teil dieses Geldes soll jedoch in Form illegaler Kick-Backs oder Retroprovisionen an Frankreich zurückgeflossen sein. Brisant daran ist, dass das Geld für den Präsidentschaftswahlkampf von Edouard Balladur bestimmt gewesen sein soll. Sarkozy war damals Balladurs Sprecher und einer seiner engsten Mitarbeiter.

Im vergangenen Jahr bekam die "Karachi"-Affäre einen neuen Dreh: Untersuchungsrichter Marc Trévidic geht seitdem der These nach, dass ein Attentat in Karachi, bei dem 2002 elf Franzosen getötet wurden, mit der Affäre in Verbindung steht. Präsident Jacques Chirac hatte die Zahlungen 1996 eingestellt. Das Attentat könnte eine Reaktion darauf gewesen sein, so seine These. Die Angehörigen der Opfer teilen diese Lesart und wollen Chirac vor Gericht stellen.

Auf Nachfragen von Journalisten über seine mögliche Verwicklung in die Karachi-Affäre reagierte Sarkozy kürzlich ausfallend: "Wer hat Ihnen das denn gesagt? Haben Sie etwa Zugang zu den Akten? ... Und wenn ich nun davon überzeugt bin, dass Sie ein Kinderschänder sind?", fragte Sarkozy am Rande des Nato-Gipfels in Lissabon zurück. Am Ende verabschiedete Sarkozy sich mit den Worten: "Bis morgen, liebe Kinderschänder." Die Kommentare fielen bei einem Hintergrundgespräch, aus dem nicht zitiert werden durfte. Sie wurden mittlerweile von zahlreichen französischen Medien aufgegriffen und lösten Kritik aus. (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+