Menschenrechte

Anti-Terror-Kampf im Jemen: Kritik an den USA

Sanaa/London. Amnesty International will von den USA wissen, ob ihre Armee im vergangenen Dezember eine Rakete mit Streubomben auf ein Ausbildungslager von Al-Kaida-Terroristen im Jemen abgefeuert hat.
07.06.2010, 18:53
Lesedauer: 2 Min
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Sanaa/London. Amnesty International will von den USA wissen, ob ihre Armee im vergangenen Dezember eine Rakete mit Streubomben auf ein Ausbildungslager von Al-Kaida-Terroristen im Jemen abgefeuert hat.

Bei dem Angriff in der Provinz Abjan sollen am 17. Dezember 14 Terroristen und 41 Zivilisten ums Leben gekommen sein, darunter mehrere Kinder.

Die Menschenrechtsorganisation veröffentlichte am Montag Fotos vom Ort des Angriffs, auf denen den Angaben zufolge Überreste von Streumunition und von einer in den USA hergestellten Tomahawk-BGM- 109D-Rakete zu sehen sind. Es sei unwahrscheinlich, dass die jemenitischen Streitkräfte in der Lage seien, diese Rakete zu verwenden. Die Rakete wird von einem Schiff oder U-Boot abgefeuert. Amnesty International erklärte: «Ein Militärschlag dieser Art gegen mutmaßliche Kämpfer ohne einen Versuch ihrer Festnahme ist zumindest gesetzeswidrig.»

Die jemenitische Regierung hatte sich im vergangenen März bei den Bewohnern der Region in Abjan für den Luftangriff entschuldigt. Die jemenitische Regierung steht im Moment innenpolitisch unter Druck, weil sie den Kampf gegen Al-Kaida immer stärker den USA überlässt. Am 24. Mai war der Vize-Gouverneur von Marib, Dschabir al-Schabwani, von einer Kampfdrohne der US-Armee getötet worden.

Das jemenitische Verteidigungsministerium gab am Montag bekannt, der Al-Kaida-Terrorist Hamsa al-Dhajani habe sich in der Provinz Marib den Behörden gestellt. Er soll den tödlichen Selbstmordanschlag auf eine spanische Touristengruppe vor zwei Jahren geplant haben. Im Juli 2007 hatte sich ein junger Mann mit einem Sprengstoffauto neben den Touristen in die Luft gesprengt. Acht Spanier und zwei Jemeniten starben damals, neun Menschen wurden verletzt. Zu dem Anschlag hatte sich eine lokale Al-Kaida-Zelle bekannt. Die Polizei identifizierte Al-Dhajani als einen von zwei Männern, die den Attentäter rekrutiert hatten.

Im Süden des Jemen kam es am Montag erneut zu einer Eskalation der Gewalt zwischen Separatisten und Angehörigen der Sicherheitskräfte. Nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Arabija wurden sechs Menschen getötet. Laut Augenzeugen schossen die Regierungstruppen auf Anhänger der Separatistenbewegung, die in der Stadt Dhale die Fahne des vormals sozialistischen Südjemens gehisst hatten. Ein Teil der Bevölkerung des Südens fühlt sich von der Regierung in Sanaa benachteiligt und kämpft - bislang vorwiegend mit friedlichen Mitteln - für eine Trennung des 1990 wiedervereinigten Landes. (dpa)

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