US-Vizepräsidentin Kamala Harris Vorschusslorbeeren verwelken schnell

Kamala Harris (57) startete mit großen Vorschusslorbeeren als erste Vizepräsidentin der USA ins Amt. Ihr Stern sank schneller, als er aufgestiegen war.
19.01.2022, 14:28
Lesedauer: 2 Min
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Vorschusslorbeeren verwelken schnell
Von Thomas Spang

Für einen kurzen Moment hielt Kamala Harris die Geschicke der Supermacht in ihrer Hand. Das war am 19. November, als Joe Biden wegen der Narkose für eine Darmspiegelung die Verantwortung des Präsidentenamtes auf seine Stellvertreterin übertrug. Während der einen Stunde und fünfzehn Minuten arbeitete die Vizepräsidentin routiniert und ohne besondere Vorkommnisse aus ihrem Büro im Westflügel.

Die so oft beschworene „unsichtbare Glasdecke“ im Weißen Haus, die Frauen aus dem höchsten Amt zurückhält, war anschließend nicht zersplittert. Denn Biden kehrte wohlbehalten in das Oval Office zurück. Nach ihrem ersten Jahr im Amt bezweifeln viele Beobachter, dass Harris diejenige sein wird, die sie durchbricht. Vorausgesetzt natürlich, dass sie den 79-jährigen Präsidenten nicht ersetzen muss.

Ihre Umfragewerte sind ähnlich schlecht wie die Bidens. Aber aus anderen Gründen. Verlässlich half sie den Demokraten mehr als ein Dutzend Mal, mit ihrer Stimme als Senatspräsidentin ein Patt in der Kammer zu brechen. Ansonsten wirkte Harris überfordert bei den Aufgaben, die ihr der Präsident übertragen hat.

Sie machte keine gute Figur bei der Handhabung der Flüchtlingskrise an der Südgrenze zu Mexiko. Statt vor Ort unermüdlich nach Lösungen zu suchen, reichte es für nicht viel mehr als Stippvisiten an der Grenze und in Mittelamerika. Erfolglos blieben auch ihre Bemühungen um die Wahlrechtsreform. Und die ihr übertragene Vermarktung des Infrastruktur-Pakets erwies sich ebenfalls als Flop.

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Schlagzeilen machte die einst als Zukunft der Demokraten gehandelte Tochter von Einwanderern aus Indien und Jamaika nicht mit ihren Talenten, sondern Tratsch. So palaverten Reporter tagelang darüber, ob ein Titelfoto für das Modemagazin „Vogue“, das Harris mit ihren „Chucks“ zeigte, das Ansehen ihres Amtes nicht banalisiere.

Für ihre Verteidiger, wie Karen Finney, die auch Hillary Clinton beraten hatte, ist das ein typisches Beispiel an real existierendem Sexismus, der insbesondere von den rechten Medien genährt werde. Männer müssten sich solcher Kritik nicht aussetzen. „Sie ist zäh. Sie ist konzentriert auf ihre Arbeit.“

Ihr Aufstieg an die Hebel der Macht wird hartnäckig von Vorwürfen begleitet, in ihrem Umfeld ein ungutes Arbeitsklima zu schaffen. Das brachte unter anderem ihre Kandidatur für die Präsidentschaft-Nominierung 2020 zu Fall und plagt auch nun ihr Image als Vizepräsidentin. Querelen aus ihrem Büro drangen an die Öffentlichkeit durch und mehrere hochrangige Mitarbeiter warfen das Handtuch.

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Der ehemalige Kommunikationschef in ihrer Zeit als Justizministerin in Kalifornien, Gil Duran, spricht von einem bedenklichen Muster. „Wie soll sie ein Land zusammenführen, wenn sie nicht einmal ihr eigenes Büro zusammenhalten kann?“

Elaine Kamarck von der Brookings Institution in Washington, die sich mit der Geschichte von Vizepräsidenten auskennt, meint, Harris politisches Schicksal hänge in jedem Fall von dem Bidens ab. Sie könne in dieser Position selber wenig tun, ihr Image zu verbessern. „Was am Ende zählt, ist, ob die Leute mit der Biden-Ära zufrieden sind.“    

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