Erdogan trifft Putin Erhält Moskau Drohnen und Erdogan grünes Licht für Syrien?

Russland zeigt Interesse an türkischen Kampfdrohnen - ein klares Dementi zu einem möglichen Verkauf hat der Nato-Partner dazu bisher nicht gegeben.
05.08.2022, 05:27
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa

Innerhalb nur weniger Wochen kommen der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan erneut zu einem persönlichen Treffen zusammen. Erdogan reist heute in den russischen Badeort Sotschi.

Das Treffen solle gegen 14 Uhr MESZ beginnen, hieß es aus dem türkischen Präsidialpalast. Es werde um aktuelle globale und regionale Fragen gehen, hieß es vom Kommunikationsministerium in Ankara. Neben dem Krieg in der Ukraine dürften auch die türkischen Pläne zu einer neuen Syrien-Offensive besprochen werden. Von einem solchen Vorgehen hatte auch Moskau Ankara zuletzt deutlich abgeraten.

Hüseyin Bagci, Vorsitzender des türkischen Foreign-Policy-Instituts, sagte der dpa, Erdogan reise nach Russland, „weil er bei dem letzten Treffen im Iran nicht das bekommen hat, was er wollte“ - nämlich ein Einverständnis für eine weitere Offensive in Syrien. Mit der droht der türkische Präsident bereits seit mehreren Wochen. Mitte Juli waren Russland, Iran und die Türkei - alle Akteure im syrischen Bürgerkrieg - zu einem Dreier-Gipfel in Teheran zusammen gekommen.

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Drohnenverkäufe

Laut Kreml stehen auch mögliche Drohnenverkäufe des Nato-Mitglieds an Moskau auf der Tagesordnung. Von türkischen Quellen wurde das vorerst nicht bestätigt.

Erdogan hatte bereits kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges gesagt, er schließe Waffengeschäfte mit Russland nicht aus. Russland hatte Interesse an der im Krieg auch von Kiew erfolgreich eingesetzten türkischen Kampfdrohne Bayraktar TB2 gezeigt. Putin habe vorgeschlagen, gemeinsam mit der Türkei an den Drohnen des Unternehmens Baykar zu arbeiten, hatte Erdogan nach Angaben des Senders CNN Türk gesagt. Eine entsprechende Fabrik könne in den Vereinigten Arabischen Emiraten gegründet werden. Das hätten die Emirate angeboten.

Der Vorsitzende von Baykar, Haluk Bayraktar, hatte Mitte Juli himgegen dem Sender CNN International gesagt, man habe Russland keine Drohnen geliefert und werde das „nie tun“. „Wir unterstützen die Ukraine.“

Die türkische Kampfdrohne Bayraktar TB2 gilt als Exportschlager. Die Drohnen kamen schon in mehreren Konflikten zum Einsatz, etwa auf der Seite Aserbaidschans im Konflikt mit Armenien um die Region Berg-Karabach. Sollte Russland die Drohnen gemeinsam mit der Türkei entwickeln, bekäme Moskau damit auch Zugriff auf die Technik eines Nato-Mitgliedstaates.

Kritik an der Türkei

Waffengeschäfte mit Russland haben der Türkei bereits in der Vergangenheit scharfe Kritik eingebracht. 2017 etwa hatte Ankara das russische Raketenabwehrsystem S-400 erworben. Die USA hatten aus dem Grund unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump Sanktionen verhängt. Die Türkei wurde zudem von einem wichtigen Rüstungsvorhaben, der Entwicklung des Kampfflugzeugs vom Typ F-35, ausgeschlossen.

Die Türkei pflegt sowohl zur Ukraine als auch zu Russland enge Beziehungen und sieht sich als Vermittler zwischen beiden Parteien. Vor dem Hintergrund der Getreidekrise hatten die Kriegsgegner Ende Juli in Istanbul unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei jeweils getrennt mit Ankara ein Abkommen unterzeichnet. Das soll Getreideausfuhren aus drei Häfen der Ukraine ermöglichen. Ein mit Mais beladener Frachter ist bereits ausgelaufen, hat die türkische Kontrolle passiert und ist nun auf dem Weg in den Libanon. Weitere Schiffe sollen folgen.

Die Türkei ist ebenso wie andere Länder wegen Energielieferungen abhängig von Russland. Zudem bilden Russen die Haupturlauber-Gruppe in der Türkei. Im Juni 2022 hatte die Türkei mit Waren im Wert von 5,1 Milliarden US-Dollar aus Russland so viel importiert wie aus keinem anderen Land. Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat sich der Import damit mehr als verdoppelt. Der Wert von Importen aus Deutschland stieg deutlich geringer an - von 1,92 Milliarden auf knapp 2 Milliarden. Der russische Kraftwerkbauer Rosatom baut außerdem im Süden der Türkei das erste Atomkraftwerk des Landes.

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