Konflikte Fronten in Bangkok weiter verhärtet

Bangkok. Hinter brennenden Barrikaden und Wällen aus Sandsäcken haben sich die Fronten im Machtkampf in Thailand am Montag weiter verhärtet. Rund 5000 Oppositionelle ließen das jüngste Ultimatum der Armee zum Abzug aus dem besetzten Geschäftsviertel am Nachmittag verstreichen.
17.05.2010, 16:54
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Bangkok. Hinter brennenden Barrikaden und Wällen aus Sandsäcken haben sich die Fronten im Machtkampf in Thailand am Montag weiter verhärtet. Rund 5000 Oppositionelle ließen das jüngste Ultimatum der Armee zum Abzug aus dem besetzten Geschäftsviertel am Nachmittag verstreichen.

Auf Militär-Hubschrauber, die Flugblätter mit einem Angebot zu freiem Geleit abwarfen, schossen die Regierungsgegner mit Feuerwerkskörpern und selbst gebauten Raketen.

In dem Gebiet an der Ratchaprasong-Straße hielten sich nach wie vor auch Frauen und Kinder auf. «Wir bleiben friedlich hier», sagte Jatuporn Prompan, ein Anführer des Oppositionsbündnisses UDD. «Wenn die Regierung Demonstranten erschießt, löst das die Probleme nicht.» Bei den jüngsten Unruhen waren bis zum Montag 36 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 300 verletzt worden.

Die Demonstranten hatten Verhandlungen angeboten, falls die Soldaten abgezogen würden - allerdings nur bei Vermittlung durch UN- Diplomaten. Die Forderung erhob zuerst der Mentor der Rothemden, der ins Exil geflüchtete Ex-Regierungschef Thaksin Shinawatra: «Ich rufe die Vereinten Nationen zur Vermittlung auf», schrieb er. «Die Organisation sollte sich nicht von einem Ministerpräsidenten zum Schweigen bringen lassen, der nicht versteht, dass das Recht auf Leben ein universelles Gut ist.» Die Regierung verlangte ihrerseits einen ersten Schritt der Demonstranten: «Die Rothemden müssen das Protestgelände räumen und dürfen Soldaten und Unschuldige nicht mehr angreifen», entgegnete Regierungssprecher Panithan Wattanayakorn.

Einigen Rothemden gelang es, neue Fronten an anderen Kreuzungen aufzumachen. Sie setzten dort Gummireifen in Brand. Die Soldaten rückten vor und schossen, um die Kreuzungen zu verteidigen. Im Lokalfernsehen waren mehrere Verwundete zu sehen. An der Rama IV-Straße stand ein verlassener Tanklaster zwischen den Linien.

Durch diese Scharmützel abgelenkt, gelang es ihnen nicht, die Schlinge um das besetzte Gebiet um die Ratchaprasong-Straße enger zu ziehen. Für die Menschen, die dort seit Ostern kampieren, wird die Lage immer unangenehmer. Es ist zusehends schwieriger, Nahrungsmittel und Wasser zu besorgen. Protestführer Weng Tojirakarn warnte die Demonstranten davor, Geschäfte zu plündern, berichtete die Zeitung «Nation». «Sonst hassen uns die Leute.» In dem Geschäftsviertel leben nach Regierungsangaben noch mehr als 30 000 Menschen.

In der Nacht geriet auch das Luxushotel «Dusit Thani» unter Beschuss. Nach Angaben der Polizei wurden drei Granaten auf das Gebäude nahe dem besetzten Geschäftsviertel abgefeuert. Dort wohnten unter anderem Reporter, die über die Kämpfe berichteten. Verletzt wurde niemand. Nachdem am Wochenende auch auf einer Kreuzung in direkter Nähe der deutschen Botschaft geschossen worden war, stellte die Vertretung ihren Publikumsverkehr am Montag ein. Ein Notdienst für Deutsche, die in Schwierigkeiten sind, wurde aus den Räumen der französischen Botschaft außerhalb des Kampfgeländes sichergestellt.

Derweil brach sich der Konflikt auch in weiteren Landesteilen Bahn. In den Provinzen Phayao und Ubon Ratchathani im Norden und Nordosten setzten Demonstranten aus Solidarität mit den Rothemden Reifen in Brand. Der Ausnahmezustand wurde daraufhin auf 22 Provinzen ausgeweitet, Versammlungen von mehr als fünf Menschen sind verboten.

Am Morgen war der zu den Rothemden übergelaufene General Khattiya Sawasdipol (58) Verletzungen erlegen, die er vier Tage zuvor bei einem Attentat erlitten hatte. Ein Scharfschütze hatte Khattiya in den Kopf geschossen, während er mit ausländischen Journalisten sprach. «Die Rothemden haben zwar keinen Anführer für ihre paramilitärische Truppe mehr, aber noch einen langen Atem», meinte der stellvertretende Chef der Regierungspartei, Kraisakv Choonhavan. (dpa)

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