Ägypten Iranische Kriegsschiffe passieren Suezkanal

Kairo/Tel Aviv. Erstmals seit über drei Jahrzehnten haben iranische Kriegsschiffe am Dienstag den Suezkanal passiert. Die erwartete Ankunft der beiden Schiffe im Mittelmeer löste am Montag in Israel große Sorge aus.
22.02.2011, 14:50
Lesedauer: 2 Min
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Kairo/Tel Aviv. Erstmals seit über drei Jahrzehnten haben iranische Kriegsschiffe am Dienstag den Suezkanal passiert. Die erwartete Ankunft der beiden Schiffe im Mittelmeer löste am Montag in Israel große Sorge aus.

Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Silvan Schalom sprach von einer "Provokation". Ziel des Irans sei es, "den Führern der arabischen Welt zu zeigen, wer der neue Herrscher in Nahost ist." Die Passage der iranischen Schiffe sei "Teil eines umfassenden Kampfes, den der Iran um die Führung und Kontrolle im Nahen Osten führt".

Die ägyptischen Behörden erlaubten den beiden iranischen Kriegsschiffen - eine Fregatte und ein Versorger - am Montagmorgen die Durchfahrt, wie aus Sicherheitskreisen in Kairo bekanntwurde. Die Schiffe nahmen demnach Kurs auf Syrien. Es ist das erste Mal seit der Islamischen Revolution im Iran 1979, dass iranische Kriegsschiffe durch den Kanal gefahren sind.

Die Durchfahrt war den Iranern zuvor mehrfach verweigert worden. Unter Präsident Husni Mubarak waren die Beziehungen zwischen Ägypten und dem Iran jahrelang sehr schlecht. Ein Mitarbeiter der Suezkanal-Gesellschaft sagte, die Iraner hätten für die Durchfahrt etwa 200 000 US-Dollar bezahlen müssen. Der Iran hat angegeben, die Schiffe hätten weder konventionelle Waffen noch atomare oder chemische Kampfstoffe an Bord.

Schon die Ankündigung der Passage sorgte in Israel seit Tagen für Unruhe. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sieht darin einen "Versuch des Irans, seinen Einfluss in der Region auszuweiten". Der Iran beliefert die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon mit Waffen.

Israel fühlt sich von dem Iran und seinem iranischen Atomprogramm existenziell bedroht, vor allem angesichts der häufigen israelfeindlichen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Teheran wird verdächtigt, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Nuklearenergie an Atomwaffen zu arbeiten.

Der Sprecher des ägyptischen Außenministeriums, Hossam Saki, hatte zur der Durchfahrterlaubnis für die Iraner am Montag in einem Interview mit der Nachrichten-Website "youm7" erklärt: "Dies ist keine Änderung in der ägyptischen Außenpolitik." Ägypten dürfe gemäß der Konvention von Konstantinopel aus dem Jahr 1888 nur die Durchfahrt von Schiffen verhindern, mit denen sich Ägypten im Kriegszustand befinde. (dpa)

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