Libanon Jubel um Ahmadinedschad an der Grenze zu Israel

Beirut/Tel Aviv. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist bei einem Besuch im Süd-Libanon von zehntausenden Anhängern der Hisbollah-Bewegung umjubelt worden.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Beirut/Tel Aviv. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist bei einem Besuch im Süd-Libanon von zehntausenden Anhängern der Hisbollah-Bewegung umjubelt worden.

In seiner Rede in der Hisbollah-Hochburg Bint Jbeil an der Grenze zu Israel wetterte er am Donnerstag vor geschätzten 200 000 Menschen erneut gegen den jüdischen Staat. Das Dorf Bint Jbeil war 2006 im Krieg zwischen der vom Iran unterstützen Hisbollah und Israel erstört und mit iranischer Hilfe wiederaufgebaut worden.

«Die Welt soll wissen, dass die Unterdrücker geschlagen werden und Palästina befreit wird», sagte Ahmadinedschad am zweiten Tag seiner Libanon-Reise, an die Adresse Israels gerichtet. Israel wirft dem Iran unter anderem vor, die Hisbollah mit tausenden Raketen aufgerüstet zu haben.

Bei seinem ersten Besuch im Libanon präsentierte sich der iranische Präsident als Mann mit zwei Gesichtern. Für seine Begegnungen mit Anhängern der Hisbollah schlüpfte er in die Rolle des religiösen Führers, der auf Israel und die USA schimpft. Während seiner offiziellen Termine mit Regierungsvertretern gab er sich dagegen staatsmännisch und moderat.

Ahmadinedschad traf am Donnerstag zunächst mit dem pro-westlichen Ministerpräsidenten Saad Hariri in Beirut zusammen. Hariris Vater, der frühere Ministerpräsident Rafik Hariri, war 2005 einem Attentat zum Opfer gefallen. Ahmadinedschad kritisierte bei seinem Besuch das UN-Tribunal für die Aufklärung des Mordes an Hariri und behauptete: «Das Gericht versucht, zu falschen Ergebnissen zu kommen, um die Saat der Spaltung zu säen.» Das Gericht in Den Haag hat noch keine Anklageschrift veröffentlicht. Es wird jedoch erwartet, dass mehrere Hisbollah-Mitglieder und syrische Funktionäre angeklagt werden.

Ahmadinedschad wollte am Abend auch die südlibanesische Ortschaft Kana besuchen. Dort waren 1996 beim israelischen Artilleriebeschuss des UN-Stützpunkts über 100 Zivilisten ums Leben gekommen, die dort Schutz gesucht hatten. Israel hatte die «Operation Früchte des Zorns» gegen Stützpunkte der Miliz im Libanon nach Raketenangriffen der Hisbollah auf Nordisrael gestartet.

Aus Israel kamen unterdessen wütende Kommentare, weil Ahmadinedschad in Beirut am Mittwoch mit großem Pomp empfangen worden war. Amos Gilad, ein ranghoher Mitarbeiter des israelischen Verteidigungsministeriums, sagte im Rundfunk, der libanesische Präsident Michel Suleiman sehe tatenlos zu, wie im Süden des Landes «Hisbollastan» entstehe, «das den Libanon auffrisst wie ein Krebsgeschwür». «Ahmadinedschad ist in den Libanon gekommen wie ein Gutsherr, der seinen Grund und Boden inspiziert», sagte der Sprecher des israelischen Außenministeriums Jigal Palmor am Donnerstag in Jerusalem.

Auch Politiker des pro-westlichen Lagers im Libanon kritisierten den Besuch. In einem Kommentar der arabischen Zeitung «Al-Hayat» hieß es am Donnerstag: «Dies ist ein Besuch beim Hisbollah-Staat.» Die Libanesen müssten sich vorsehen, damit sie von Ahmadinedschad nicht in die gleiche Rolle wie die Syrer gedrängt würden - als Befehlsempfänger Teherans. (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+