Atomstrom für Frankreich Präsident Macron will neue Atomkraftwerke bauen lassen

Bei einer Fernsehansprache kündigt Frankreichs Präsident Emmanuel Macon unter anderem den Bau einer neuen Generation von Atomkraftwerken und eine Rentenreform an.
10.11.2021, 16:46
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Von Birgit Holzer

Offiziell ist Emmanuel Macron noch nicht im Wahlkampf für die nächste Präsidentschaftswahl im April 2022. Tatsächlich aber klang die Rede, die der französische Staatschef am Dienstagabend hielt, stark danach. Er zählte auf, was seine Regierung getan habe, um das Land durch die Coronavirus-­Krise zu bringen – mit Milliardenprogrammen wurden Unternehmen, Selbstständige, Familien und sozial Schwache unterstützt. Und er erklärte, in welch positiver Lage sich Frankreich wieder befinde mit einem Wachstum von über sechs Prozent in diesem Jahr und einer Arbeitslosigkeit um 7,6 Prozent – der niedrigste Stand seit fast 15 Jahren.

Macron gab auch einen Ausblick auf sein anstehendes Wahlprogramm. Dass er nach seiner ersten Amtszeit noch nicht fertig ist mit seinen Plänen und Zielen, das ließ der 43-Jährige deutlich durchscheinen. Die umstrittene Rentenreform, die 2019 monatelange Proteste nach sich gezogen hatte, will er in den kommenden Monaten allerdings nicht mehr angehen. In der Tat würden Massendemonstrationen im Wahlkampf seine Chancen wohl drastisch verringern. Momentan sehen ihn Umfragen mit rund 23 Prozent als Favoriten. Dennoch will der Präsident für eine Verschiebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters von derzeit 62 auf 65 Jahre und ein gerechteres System eintreten. Zudem kündigte er an, den Bau neuer Atomkraftwerke in Auftrag geben zu wollen. Ihm gehe es sowohl um die Unabhängigkeit des Landes als auch um das Erreichen der Klimaziele dank der CO2-armen Energiequelle, so Macron. Atomgegner kritisierten dies scharf. „Was die Fristen angeht, so könnten die ersten Reaktoren frühestens 2035, vielleicht sogar erst 2039 oder 2040 ans Netz gehen, während die Priorität darin besteht, unseren CO2-Ausstoß bis 2030 um 55 Prozent zu senken“, erklärte Nicolas Nace, zuständig für Energiethemen bei Greenpeace Frankreich.

Auch appellierte Macron an die sechs Millionen Menschen im Land über elf Jahren, die noch keine Impfdosis erhalten haben: „Lassen Sie sich impfen, um wieder normal leben zu können.“ Mehr als drei von vier Franzosen haben sich bereits dafür entschieden. Denn wer ein Restaurant, Theater oder Museum besuchen, einen Fernbus oder Schnellzug besteigen will, muss einen „Gesundheitspass“ mit dem Nachweis einer vollständigen Impfung oder eines aktuellen negativen Tests vorlegen. Um weiterhin über einen gültigen „Gesundheitspass“ zu verfügen, müssen alle über 65-Jährigen ab Mitte Dezember eine Auffrischungsimpfung hinter sich haben. Die Inzidenz liegt landesweit bei 75, ein Anstieg von 40 Prozent gegenüber der Vorwoche. Eine drastische Verschlechterung der Lage will der Präsident verhindern. Auch wegen des Wahlkampfs, in den er in einigen Monaten offiziell eintreten wird.

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Frankreich rangiert laut der Internationalen Atomenergiebehörde weltweit hinter den USA und China auf Platz drei der größten Atomstromproduzenten. Entsprechend kam auch die landeseigne Energieproduktion laut Ministerium für ökologischen Wandel im vergangenen Jahr zu drei Vierteln aus den 56 Atomreaktoren im Land. Mit 41 Prozent der verbrauchten Energie spielt die Atomkraft als Quelle eine bedeutende Rolle. Doch Atomstrom als grün abzustempeln, wie es Präsident Emmanuel Macron gerne tut, stößt bei Klimaschutzorganisationen wie WWF und Greenpeace auf Widerstand. Sie warnen vor Umweltfolgen durch den radioaktiven Müll, der bei der Kernspaltung entsteht.

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