Konflikte Kolumbien: Trotz Geiselfreilassung keine Entspannung

Bogotá. In Kolumbien hat sich die Lage trotz der Freilassung von zwei Geiseln durch die linken FARC-Rebellen nicht entspannt.
01.04.2010, 08:41
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Bogotá. In Kolumbien hat sich die Lage trotz der Freilassung von zwei Geiseln durch die linken FARC-Rebellen nicht entspannt.

Nur wenige Stunden nach der Übergabe eines seit mehr als zwölf Jahren festgehaltenen Unteroffiziers an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) haben mutmaßliche Mitglieder der marxistischen Rebellengruppe «Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens» (FARC) am Mittwoch (Ortszeit) nach Behördenangaben bei einem Entführungsversuch drei Menschen erschossen.

Die Rebellen hätten ein Landgut in der Provinz Antioquia im Nordwesten des Landes überfallen, teilte die Polizei mit. Offenbar hätten sie mehrere Personen verschleppen wollen. Einer der Männer habe jedoch Widerstand geleistet und fliehen können. Die anderen drei Opfer seien daraufhin von den Rebellen erschossen worden, sagte der Leiter der Regionalregierung, Andrés Julián Rendón.

Die FARC hatten ihre vor mehr als 45 Jahren begonnenen Angriffe gegen den von konservativen Gruppen beherrschten Staat in den vergangenen Wochen verschärft. Grund ist nach Einschätzung politischer Beobachter in Bogotá der Versuch, die für den 30. Mai angesetzte Präsidentenwahl zu stören.

Erst am Vortag hatten die Rebellen den Ende 1997 verschleppten Unteroffizier Pablo Emilio Moncayo freigelassen. Am Sonntag war der Soldat Josué Calvo dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) übergeben worden. Damit halten die FARC noch 21 Polizisten und Militärs fest, die sie gegen etwa 500 inhaftierte Rebellen eintauschen wollen.

Ein unbekannte, aber vermutlich größere Zahl von Menschen befindet sich jedoch nicht aus politischen Gründen in der Gewalt der FARC. Sie wurden entführt, um Lösegelder zu erpressen. Dies war allem Anschein nach auch der Hintergrund des Überfalls in Antioquia. Lösegelderpressung ist neben der Eintreibung von «Schutzgeldern» bei Unternehmern und dem Drogenschmuggel eine der wichtigsten Einnahmequellen der FARC. (dpa)

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