Korruption Kroatiens Ex-Regierungschef festgenommen

Wien/Zagreb. Der wegen Korruption mit einem internationalen Haftbefehl gesuchte ehemalige kroatische Regierungschef Ivo Sanader ist am Freitag in Österreich festgenommen worden.
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Wien/Zagreb. Der wegen Korruption mit einem internationalen Haftbefehl gesuchte ehemalige kroatische Regierungschef Ivo Sanader ist am Freitag in Österreich festgenommen worden.

Er sei in der Nähe von Salzburg festgesetzt worden, sagte der Sprecher des Innenministeriums in Wien, Michael Girardi, der Nachrichtenagentur dpa. Sanader sei an der Mautstelle St. Michael aufgegriffen worden, berichtete die österreichische Zeitung "Kurier". Der 57-Jährige sei ins Landgericht der Stadt Salzburg gebracht worden.

Sanader, der 2009 nach sechs Jahren an der Spitze der Regierung im ohne Angaben von Gründen zurückgetreten war, soll für mehrere groß angelegte Korruptionsfälle verantwortlich sein. Er bestreitet die Vorwürfe und spricht von einer politischen Kampagne gegen ihn. Das Parlament in Zagreb hatte am Vortag die Immunität des Abgeordneten Sanader aufgehoben. Ein Gericht hatte gegen den früheren Spitzenpolitiker eine 30-tägige Untersuchungshaft angeordnet. Wenige Stunden zuvor war Sanader nach Slowenien und dann später nach Österreich ausgereist.

In Österreich erwartet Sanader jetzt ein Auslieferungsverfahren. Das könnte erschwert werden durch eine mögliche österreichische Staatsbürgerschaft. Die kroatischen Medien spekulierten, Sanader besitze einen österreichischen Pass, den er während seines Studiums in Innsbruck Ende der 80er Jahre erhalten habe. Der ehemals starke Mann der kroatischen Politik hat enge Verbindungen zu zahlreichen österreichischen Spitzenpolitikern.

Die U-Haft gegen Sanader war von den Medien in Kroatien einhellig begrüßt worden. "Sanader stand allem Anschein nach an der Spitze einer verbrecherischen Organisation", schrieb die Zeitung "Jutarnji list" am Freitag in Zagreb. "Der große Europäer ist in Wirklichkeit nur ein rücksichtsloser Barbar", kommentierte "Vecernji list". "Ein Feigling stand an der Spitze unserer Regierung", titelte "24sata" mit Blick auf die Flucht des Politikers. (dpa)

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