Präsident Litauens Ex-Präsident Brazauskas gestorben

Vilnius . Der erste nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion gewählte Präsident Litauens, Algirdas Brazauskas, ist am Samstag im Alter von 77 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben.
27.06.2010, 12:40
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Vilnius . Der erste nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion gewählte Präsident Litauens, Algirdas Brazauskas, ist am Samstag im Alter von 77 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben.

Staatschefin Dalia Grybauskaite nannte ihren populären Vorgänger aus den Jahren 1993 bis 1998 in Vilnius einen «aufrichtigen Menschen und vorausschauenden Politiker», der das Land in einer schwierigen Zeit geführt habe. Brazauskas hatte seine politische Karriere als kommunistischer Parteifunktionär in der Sowjetära begonnen und schloss sie 2006 ab, als er nach fünf Jahren als sozialdemokratischer Regierungschef zurücktrat.

Der Bauingenieur und Nationalökonom setzte sich ab 1988 an der Spitze der litauischen Kommunisten für mehr Eingeständigkeit der baltischen Sowjetrepublik gegenüber Moskau ein. Anfang 1990 war er kurz Präsident des Präsidiums-Vorsitzender des Obersten Sowjet Litauens, wurde aber schnell vom betont antikommunistisch ausgerichteten Vytautis Landsbergis verdrängt. Eine Woche nach Ausrufung der litauischen Unabhängigkeit am 11. März 1990 wurde Brazauskas stellvertretender Regierungschef.

Zwei Jahre später gewann der zum Sozialdemokraten gewandelte Ex- Kommunist die ersten direkten Präsidentschaftswahlen souverän. Trotz seiner enormen persönlichen Popularität trat Brazauskas 1998 nicht für eine zweite Amtszeit an und wurde von dem aus dem US-Exil heimgekehrten Valdas Adamkus abgelöst.

Nach dem zeitweiligen Rückzug ins Privatleben kehrte der Ex- Präsident dann Mitte 2001 als Regierungschef einer sozialdemokratisch geführten Koalition auf die politische Bühne zurück. Er führte Litauen, zusammen mit den baltischen Nachbarn Estland und Lettland, zum NATO- und EU-Beitritt 2004. 2006 trat er im Gefolge von Koalitionsstreit endgültig ab.

Brazauskas konnte sich seinen guten Ruf als persönlich unbestechlicher Politiker bis zuletzt erhalten, während um ihn herum immer mehr litauische Minister und andere Spitzenpolitiker in Korruptionsaffären verwickelt waren. (dpa)

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