Intransparenz des Pharmamarktes Medikamente müssen bezahlbar bleiben

Weltweit können sich Hundertttausende Menschen keine Medikamente leisten. Drastisch überhöhte Preise und die Intransparenz des Pharmamarktes sind ein Skandal, findet unser Gastautor Marco Alves.
11.06.2019, 11:19
Lesedauer: 2 Min
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Von Marco Alves

Stellen Sie sich vor, Sie werden schwer krank. Es gibt Medikamente, die Ihnen helfen könnten, doch die sind zu teuer, für Sie selbst, aber auch für die Krankenkassen und Gesundheitsbehörden des Landes, in dem Sie leben. Genau so geht es Hunderttausenden Menschen weltweit – und zwar nicht nur in ärmeren Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen, sondern auch in reichen Industriestaaten.

Ein Grund für die zum Teil exorbitant hohen Arzneimittelpreise ist die Intransparenz des Marktes. Sie erlaubt es Pharmafirmen, Preise zu diktieren, ohne dabei offenlegen zu müssen, wie viel die Erforschung eines Produktes gekostet hat, wie viele Fördergelder sie hierfür bekommen haben oder mit welchen Gewinnen sie rechnen. Deshalb können Preise so hoch gesetzt werden, wie es der Markt hergibt. Verhandlungen zwischen Pharmafirmen, Regierungen und Krankenkassen über Preise und Rabatte finden quasi blind und hinter verschlossenen Türen statt. Kaum einer kennt die tatsächlichen Kosten und die Preise für das gleiche Medikament in unterschiedlichen Ländern. Preisverhandlungen auf Augenhöhe sind so unmöglich.

Diese Intransparenz des Pharmamarktes und die oft drastisch überhöhten Preise für lebenswichtige Medizinprodukte sind ein Skandal. Die Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation wollten das ändern. Auf der Weltgesundheitsversammlung in Genf haben sie nach wochenlangen Verhandlungen eine Resolution verabschiedet, die für mehr Transparenz auf dem Arzneimittelmarkt sorgen soll. Ein historischer Schritt, auch wenn diese noch immer nicht weit genug geht. Deutschland hat die Resolution in den Verhandlungen stark verwässert und sich dann sogar öffentlich davon distanziert. Zusammen mit Großbritannien und Ungarn und gegen die überwältigende Mehrheit der anderen Staaten.

Ausgerechnet die deutsche Regierung, die eine Vorreiterrolle beim Thema globale Gesundheit für sich beansprucht, stellt sich einer Gesundheitspolitik in den Weg, die mehr Menschen den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten ermöglichen will. Tatsächlich erinnert die Position der Regierung eher an Industriepolitik zum Schutz kommerzieller Interessen – die der deutschen Pharmaunternehmen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Deutschland sich auf internationaler Ebene gegen Transparenz einsetzt, damit keine Nachteile für die hochprofitable Pharmaindustrie entstehen. Das geht auf Kosten der Gesundheit von Menschen, die sowohl in armen als auch in reichen Ländern leiden und sterben, weil lebensnotwendige Medikamente unbezahlbar bleiben.

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Zur Person

Der Gastautor

ist Diplomökonom und koordiniert die Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland, die sich weltweit für bezahlbare Medizinprodukte einsetzt.

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