Konflikte Neue Proteste in Bangkok - keine Lösung in Sicht

Bangkok. Ein Ende der politischen Krise in Thailand ist nicht in Sicht: Mit einem mehr als 20 Kilometer langen Protestzug legten Zehntausende Regierungsgegner am Samstag erneut den Verkehr in Bangkok teilweise lahm.
21.03.2010, 13:10
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Bangkok. Ein Ende der politischen Krise in Thailand ist nicht in Sicht: Mit einem mehr als 20 Kilometer langen Protestzug legten Zehntausende Regierungsgegner am Samstag erneut den Verkehr in Bangkok teilweise lahm.

Das zweite Wochenende in Folge brachte das Oppositionsbündnis UDD nach Schätzung der Lokalmedien mehr als 100 000 Demonstranten auf die Straße. Über 10 000 Mopeds, tausende Autos und Kleinlastwagen schlossen sich der lärmenden «roten Karawane» an. Die Regierungsgegner in roten T-Shirts - der Farbe der Opposition - fordern den Rücktritt von Ministerpräsident Abhisit Vajjajiva, der ihrer Ansicht nach zu Unrecht im Amt ist.

Die Demonstranten sind zumeist Anhänger des gestürzten Ex- Regierungschefs Thaksin Shinawatram. Ein Angebot zu Gesprächen mit einer offiziellen Delegation schlugen sie aus. «Wir reden nur mit Regierungschef Abhisit Vajjajiva persönlich, und unter der Bedingung, dass er das Parlament auflöst», sagte einer der Anführer, Nattawut Saikuer. Abhisit hat die Parlamentsauflösung als Vorbedingung abgelehnt und will, dass der Rahmen für direkte Gespräche zuvor mit seinen Mitarbeitern abgestimmt wird.

Entlang des Protestzugs standen tausende Menschen, die den lärmenden Demonstranten zujubelten. «Ich kann meinen Job zwar nicht im Stich lassen, aber ich gehe zu den Kundgebungen am, Abend», sagte Chanwit Phomsida, der ein Moped-Taxi fährt.

Das Militär entmachtete Thaksin 2006 unter Korruptionsvorwürfen. Er flüchtete vor einer Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs ins Exil. Seine abendlichen Kampf-Reden über Videotelefon an die Rothemden lassen kaum Zweifel, dass er ein politisches Comeback plant. Für Regierungschef Abhisit ist er ein rotes Tuch. Thaksin hatte die armen Massen mit populären Maßnahmen wie günstiger Krankenkasse auf seine Seite gebracht. Damit schwand der Einfluss der vorher einflussreichen Familien in Bangkok. Die radikaleren Mitglieder des Oppositionsbündnisses sprechen bereits von einem Klassenkampf.

Die Organisatoren hatten vergangenes Wochenende 100 000 Rothemden vor allem aus den armen Provinzen im Nordosten des Landes nach Bangkok gebracht. Zehntausende kampieren seitdem auf einem breiten Boulevard in der Innenstadt. Vergangene Woche verschütteten sie literweise Blut vor dem Regierungssitz und dem Wohnhaus von Abhisit, das sie zuvor in einer Massenblutspendeaktion gesammelt hatten. Abhisits Amtszeit geht bis Ende 2011. Er will erst Wahlen ausrufen, wenn die Wirtschaftslage stabiler ist, die Stimmung nicht so aufgeheizt und die Verfassung aktualisiert ist. (dpa)

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