Pakistan Pakistan schließt aus Protest NATO-Nachschubroute

Islamabad/Kabul/Brüssel. NATO-Angriffe in Pakistan sorgen für zunehmende Spannung zwischen dem Bündnis und der Regierung in Islamabad. Pakistanische Sicherheitskräfte schlossen am Donnerstag die wichtigste Nachschubroute für die ausländischen Truppen in Afghanistan.
30.09.2010, 16:01
Lesedauer: 2 Min
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Islamabad/Kabul/Brüssel. NATO-Angriffe in Pakistan sorgen für zunehmende Spannung zwischen dem Bündnis und der Regierung in Islamabad. Pakistanische Sicherheitskräfte schlossen am Donnerstag die wichtigste Nachschubroute für die ausländischen Truppen in Afghanistan.

Wenige Stunden zuvor hatten NATO-Hubschrauber aus Afghanistan nach Angaben aus Sicherheitskreisen erneut Ziele im Nachbarland angegriffen und drei pakistanische Grenzsoldaten getötet.

«Wir haben Anordnungen von unserem Hauptquartier bekommen, alle NATO-Lieferungen zu stoppen», sagte ein Offizier der paramilitärischen Grenztruppen (FC), der ungenannt bleiben wollte, am Grenzübergang Torkham. «Der andere Transitverkehr zwischen Pakistan und Afghanistan läuft normal weiter.» Ein NATO-Diplomat in Brüssel, der ebenfalls anonym bleiben wollte, bestätigte, die Grenze in Torkham sei von der pakistanischen Seite geschlossen worden. Die Dauer und die Gründe dafür seien aber unklar.

Islamabad hatte bereits zu Wochenbeginn mit «entsprechenden» Gegenmaßnahmen gedroht, sollte die NATO-geführte Internationale Schutztruppe ISAF Angriffe auf pakistanischem Territorium fortsetzen. Diese Angriffe seien «ein klarer Verstoß gegen das UN-Mandat» auf dessen Grundlage die ISAF operiere.

Dennoch kam es am Donnerstag nach Angaben aus der pakistanischen Armee und den Grenztruppen zu einem NATO-Hubschrauberangriff im Stammesgebiet Kurram, bei dem drei pakistanische Soldaten getötet und drei weitere verletzt worden. «Unsere Truppen haben angemessene Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, um auf solche Aggressionen zu reagieren», sagte ein FC-Offizier. Einzelheiten nannte er nicht.

Die ISAF teilte mit, man untersuche den Vorfall gemeinsam mit den Pakistanern. Nach Beschuss von der pakistanischen Seite der Grenze aus hätten ISAF-Kräfte mehrere Bewaffnete aus der Luft angegriffen und getötet. Sie seien dabei auch zwei Mal in pakistanischen Luftraum eingedrungen. Es habe sich aber um Selbstverteidigung gehandelt. Die Soldaten gingen nach Darstellung der Schutztruppe davon aus, dass es sich um Aufständische handelte. Anschließend hätten pakistanische Militärs die ISAF über Opfer unter den Grenztruppen informiert.

Während die pakistanische Regierung Drohnenangriffe des US-Geheimdienstes CIA gegen Extremisten in den Stammesgebieten toleriert, protestiert sie scharf gegen die NATO-Grenzverletzungen. Am Donnerstag hielt sich CIA-Direktor Leon Panetta in Islamabad auf.

Am vergangenen Wochenende und am Montag waren bei NATO-Hubschrauberangriffen Dutzende Aufständische auf der pakistanischen Seite der Grenze getötet worden. Die NATO-geführte ISAF hatte zur Begründung mitgeteilt, die Aufständischen hätten von dort aus Soldaten in Afghanistan angegriffen. Die ISAF habe keine Bodentruppen eingesetzt und nicht gegen Einsatzregeln verstoßen. (dpa)

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