Terrorismus Pakistan warnt vor neuen Kommandoaktionen

New York/Islamabad. Nach dem Tod von Terrorchef Bin Laden warnt Pakistan vor neuen Kommandoaktionen auf seinem Gebiet. Im Blick dabei: Indien. Denn der blutige Terror Ende 2008 in Mumbai soll auf das Konto von Islamisten aus Pakistan gehen. US-Präsident Obama punktet derweil in Umfragen - und besucht Ground Zero.
05.05.2011, 18:20
Lesedauer: 3 Min
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New York/Islamabad. Nach dem Tod von Terrorchef Bin Laden warnt Pakistan vor neuen Kommandoaktionen auf seinem Gebiet. Im Blick dabei: Indien. Denn der blutige Terror Ende 2008 in Mumbai soll auf das Konto von Islamisten aus Pakistan gehen. US-Präsident Obama punktet derweil in Umfragen - und besucht Ground Zero.

Wenige Tage nach dem Befehl zum tödlichen Angriff auf Terrorchef Osama ist Obama zu einem symbolträchtigen Besuch am Ground Zero nach New York gereist. Am Ort des Anschlags auf die Zwillingstürme des World Trade Centers vom 11. September 2001 wollte er mit Angehörigen der Opfer gedenken. "Er möchte mit ihnen diesen wichtigen und bedeutsamen Augenblick verbringen, einen bittersüßen Augenblick", sagte Obamas Sprecher Jay Carney.

Unterdessen warnte die Regierung in Islamabad vor weiteren Kommandoaktionen gegen Terroristen auf pakistanischem Staatsgebiet. Auch Indien wirft Pakistan die Unterstützung von Terrorgruppen vor. Die aus Pakistan operierende Gruppe Lashkar-e-Taiba soll für die Anschläge in der Finanzmetropole Mumbai verantwortlich sein, bei der Ende 2008 mehr als 170 Menschen getötet wurden. Pakistan will die Jagd auf Topterroristen wie Eiman al-Sawahiri und Mullah Omar verstärken. US-Präsident Barack Obama landete am Donnerstag in New York

Der pakistanische Außenstaatssekretär Salman Bashir warnte in Islamabad: Wenn ein Land glaube, es könne die USA nachahmen, dann schätze es die Lage in Pakistan völlig falsch ein. Der Diplomat reagierte damit auf Aussagen ranghoher indischer Militärs. Diese hatten erklärt, auch Indien könne einen gezielten Militäreinsatz gegen Terroristen im Nachbarland führen. "Wir glauben jedoch, dass eine solche Fehleinschätzung zu einer Katastrophe führen kann."

Nach der US-Aktion will nun die pakistanische Regierung nach Medienberichten den ebenfalls im Land vermuteten Taliban-Chef Mullah Omar sowie Al-Kaida-Vize Eiman al-Sawahiri fassen. Wie die Zeitung "The News" unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, soll in nächster Zeit eine "massive Suchaktion" beginnen. Im Fokus stünden dabei die westpakistanische Stadt Quetta sowie die Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan. Auch der Führungsrat der afghanischen Taliban unter Mullah Omar wird seit langem in den pakistanischen Städten Quetta oder Karachi vermutet.

Geheimdienstexperten in den USA und Europa sind einem Zeitungsbericht zufolge überzeugt, dass Bin Laden Hilfe von pakistanischen Behörden hatte. "Es gibt keinen Zweifel, dass er von einigen innerhalb des (mächtigen pakistanischen Militär-Geheimdienstes) ISI beschützt wurde", zitiert das "Wall Street Journal" einen europäischen Geheimdienstmitarbeiter.

Obama, der die Kommandoaktion in der Nacht zum Montag angeordnet hatte, wollte am Ground Zero mit Angehörigen der 9/11-Opfer zusammentreffen und einen Kranz niederlegen. Seit den apokalyptischen Bildern vom 11. September 2001 steht Ground Zero für Tod, Terror und menschliches Leid. 2600 Menschen starben, als zwei von Terroristen gekaperte Flugzeuge die Türme des World Trade Centers zum Einsturz brachten. Bei der Bekanntgabe des Todes Bin Ladens hatte Obama die Hoffnung geäußert, dass die Familien der Opfer nun zumindest etwas Frieden finden könnten.

Nach einer Umfrage der "New York Times" und des Fernsehsenders CBS kann Obama nach der Kommandoaktion kräftig punkten. Vor allem beim Thema Terrorbekämpfung stellten 72 Prozent ihrem Präsidenten ein gutes Zeugnis aus, vor der Aktion waren es noch 51 Prozent. 86 Prozent der Amerikaner befürworteten in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Rasmussen Reports den Sondereinsatz gegen Bin Laden.

Das Weiße Haus will die Fotos vom toten Bin Laden nun doch nicht freigeben. "Es ist uns sehr wichtig, dass sehr eindringliche Fotos von jemandem, der in den Kopf geschossen wurde, nicht zur Anstachelung weiterer Gewalt oder als Propaganda-Werkzeug im Umlauf sind", sagte Obama in einem Interview des Senders CBS. Es gebe keinen Zweifel, dass Bin Laden tot sei.

Nach den Worten einer US-Senatorin versuchte der Al-Kaida-Chef nach einer Waffe zu greifen, unmittelbar bevor er von Elitesoldaten erschossen wurde. Bin Laden sei dabei gewesen, "sich diese Waffen zu greifen. Da kann man kein Risiko eingehen", sagte die Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat, Dianne Feinstein, am Mittwoch (Ortszeit) dem US-Sender CNN.

Die "New York Times" berichtet derweil von einem "extrem einseitigen Gefecht" während der Kommandooperation. Die Navy Seals seien nur ein einziges Mal beschossen worden, nämlich ganz zu Beginn der Aktion, schreibt die Zeitung unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Dabei habe ein Kurier Bin Ladens die Soldaten aus einem Gästehaus auf dem Gelände heraus unter Feuer genommen. Nachdem die Spezialkräfte den Kurier getötet hatten, "wurde nicht mehr auf die Amerikaner geschossen". (dpa)

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