Pelosi zerreißt Redemanuskript – im Video

Rede zur Lage der Nation: Trump lobt Errungenschaften

Die USA sind nach Ansicht von US-Präsident Trump stärker als je zuvor. Diese Botschaft sendet er bei seiner Rede zur Lage der Nation. Trumps wichtigste demokratische Gegenspielerin macht keinen Hehl aus ihrer Ablehnung.
05.02.2020, 05:33
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Rede zur Lage der Nation: Trump lobt Errungenschaften
Von Thomas Spang
Rede zur Lage der Nation: Trump lobt Errungenschaften

Nancy Pelosi zerreißt scheinbar das Manuskript der Rede zur Nation von US-Präsident Trump.

Patrick Semansky / dpa

Gemächlichen Schrittes schreitet der Präsident auf das Podium im Kongress, von dem er gleich seine Rede zur Lage der Nation halten wird. Er genießt den Jubel seiner Partei, die ihn an diesem Mittwoch nach einem „Impeachment“-Prozess ohne Zulassung von Zeugen und Beweismaterial im Senat mit ihrer Mehrheit freisprechen wird. Der Präsident mit den goldblond gefärbten Haaren und Sprühbräune im Gesicht fühlt sich obenauf.

In seiner Vorstellung hat Trump das bei seiner Amtseinführung in düstersten Farben beklagte „große Gemetzel“, also den Niedergang Amerikas, beendet und das Land in kürzester einer neuen strahlenden Zukunft entgegenführt. So steht es über der 80-Minuten langen Rede zum Auftakt des Wahljahres, die er gleich halten wird: „Die großartige amerikanische Wiederkehr“ („The Great American Comeback“).

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Der Präsident überreicht, wie im Protokoll vorgesehen, die Manuskripte an Vizepräsident Mike Pence und Speakerin Pelosi. Die nimmt die Mappe entgegen und streckt ihm höflich die Hand entgegen. Trump ignoriert sie verächtlich und dreht sich den Abgeordneten aus dem Repräsentantenhaus und des Senats zu. Ein glatter Affront gegen die Speakerin, die Gastgeberin des Präsidenten im Kongress ist, und diesen formal einladen muss, die rituelle „State-of-the-Union“-Rede zu halten.

Der Ton war gesetzt, der letzte Zweifel beseitigt, was nun folgen würde. Trump enttäuschte nicht. Er hielt eine Rede, in der er nach übereinstimmender Ansicht von Analysten nicht einmal den Versuch unternahm, Gemeinsamkeiten mit den Demokraten zu suchen. Die saßen mit grimmigen Minen versteinert auf ihren Plätzen als der Präsident verkündete, „die Lage der Nation ist stärker als jemals zuvor“.

Stärker, größer, besser. Es mangelte nicht an Übertreibungen in den Ausführungen Trumps. Er beschwor eine boomende Wirtschaft, mit Rekordbeschäftigung, brummenden Fabriken und steigenden Löhnen. Alles Dank seiner Steuerreform und den Handelskonflikten um NAFTA und China. Die Republikaner riss es von den Stühlen.

„Vier weitere Jahre“ skandierten sie als den (imaginären) Bau „einer langen, großen und sehr starken Mauer“ an der Südgrenze beschwor, seinen Umgang mit Flüchtlingen und Einwanderern verteidigte, seine restriktive Abtreibungspolitik anpries und vor einer „sozialistischen Übernahme“ des Gesundheitssystems warnte.

„In nur drei kurzen Jahren, haben wir die Mentalität des amerikanischen Niedergangs zerschlagen“, plusterte sich Trump auf. Und fügte in einer Mischung aus Drohung und Versprechen hinzu, „wir werden niemals, jemals dahin zurückkehren“. So spricht einer, der sich unverwundbar fühlt und seiner Wiederwahl im November entgegensieht.

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Grund für diesen Optimismus hat Trump allemal. Gallup bescherte ihm am Vorabend seines bestellten Freispruchs die besten Umfrageergebnisse seiner Amtszeit. 49 Prozent der Amerikaner sind zufrieden mit der Arbeit des Präsidenten. Die Demokraten bereiteten ihm mit dem Auszähldesaster bei den ersten Vorwahlen in Iowa eine Steilvorlage.

Inzwischen gibt es zwar Zahlen, die den jungen Bürgermeister aus Indiana Pete Buttigieg und Senator Bernie Sanders vorn, Elizabeth Warren knapp dahinter und Joe Biden weit abgeschlagen auf dem vierten Platz sehen. Ein vollständiges Ergebnis liegt aber noch immer nicht vor. Egal, wer bei den Demokraten das Rennen machen wird, der Herausforderer Trumps wird es schwer haben, sich gegen den faktenbefreiten Selbst-Inszenierer zu behaupten.

Wie ruchlos sich Trump über alle Regeln hinwegsetzt, demonstrierte er als er den Kongress zur Kulisse machte, dem rechtsradikalen Talker Rush Limbaugh, der kürzlich mit Lungenkrebs diagnostiziert worden war, die „Freiheits-Medallie“ zu verleihen. Die höchste Auszeichnung der USA, die eigentlich verdienten Persönlichkeiten im Weißen Haus verliehen wird.

In seiner vom Teleprompter abgelesenen Rede ergriff der Präsident nicht eine einzige neue Initiative. Außenpolitik geriet zur Nebensache des „Amerika-Zuerst“-Präsidenten. Er ging auf den erfolgreichen Schlag gegen den Führer des Islamischen Staats Abu Bakr al-Baghdadi ein und feierte den erfolgreichen Drohnenangriff auf den Führer der iranischen Revolutionsgarden Kassim Solemani.

Unerwähnt blieben ein paar unangenehme Wahrheiten. Die bittere Spaltung des Landes, die massiven Probleme im Gesundheitswesen- und Bildungswesen, die allerorts bröckelnde Infrastruktur, die Klimakrise, die Spannungen mit Amerikas traditionellen Verbündeten, der Ansehensverlust der USA in der Welt oder das vierte Impeachment in der Geschichte.

Am Ende der Rede schlug die Stunde der Speakerin. Pelosi zerriss hinter dem Präsidenten genüsslich das Manuskript, das er ihr zu Beginn achtlos in die Hand gedrückt hatte. Seite für Seite vor laufender Kamera. Ein Statement, das beschreibt, wie es um die Lage der amerikanischen Nation wirklich steht.

+++Dieser Text wurde um 13.33 Uhr aktualisiert+++

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