Kolumbien Santos knüpft Bedingungen an Gespräche mit der FARC

Bogotá. Der gewählte kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos hat das Angebot der FARC-Rebellen für Friedensgespräche grundsätzlich angenommen, seine Gesprächsbereitschaft jedoch an weitreichende Bedingungen geknüpft.
01.08.2010, 11:50
Lesedauer: 2 Min
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Bogotá. Der gewählte kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos hat das Angebot der FARC-Rebellen für Friedensgespräche grundsätzlich angenommen, seine Gesprächsbereitschaft jedoch an weitreichende Bedingungen geknüpft.

Die marxistische Rebellengruppe «Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens» (FARC) müssten «alle entführten Personen bedingungslos freilassen sowie auf neue Entführungen, Terrorismus und Antipersonenminen verzichten», sagte der gewählte Stellvertreter von Santos, Angelino Garzón, am Samstag. Allerdings war schon der vorerst letzte Friedensprozess 2002 vor allem daran gescheitert, dass die Kämpfe während der Gespräche weitergingen. Der Staat wollte erst einen Waffenstillstand und dann Gespräche, die FARC wollten es genau umgekehrt.

FARC-Chef «Alfonso Cano» hatte in einer am Vortag im Internet verbreiteten Videobotschaft neue Gespräche über ein Ende des vor 46 Jahren begonnenen bewaffneten Kampfes angeboten. «Wir sind überzeugt, dass Kolumbien den Bürgerkrieg überwinden kann, wenn wir einen Weg zu gemeinsamen Gesprächen finden und damit die Aussicht auf eine Zukunft eröffnen, in der wir uns als Kolumbianer nicht mehr gegenseitig umbringen», sagte der Soziologe «Cano», der mit bürgerlichem Namen Guillermo Sáenz heißt.

Das Gesprächsangebot fällt mitten in die wachsenden Spannungen zwischen Kolumbien und Venezuela kurz vor dem Ende der Regierungszeit von Präsident Alvaro Uribe. Er wird sein Amt kommenden Samstag an Santos übergeben. Kolumbien wirft dem Nachbarland vor, etwa 1500 FARC-Rebellen Unterschlupf zu gewähren. Venezuelas linksgerichteter Präsident Hugo Chávez bestreitet dies, brach die diplomatischen Beziehungen ab und verlegte nach einer behaupteten Verletzung des venezolanischen Luftraumes durch Kolumbien Truppen an die Grenze zu Kolumbien, «weil Uribe zu allem fähig» sei. Die Regierung in Bogotá betonte, sie habe nie einen Angriff gegen Venezuela auch nur in Erwägung gezogen.

Auch «Cano» verknüpfte sein Gesprächsangebot mit Bedingungen, auf die die Gegenseite kaum eingehen dürfte. Es müsse bei den Verhandlungen um eine «gerechte Gesellschaftsordnung unter sozialistischem Vorzeichen» gehen, betonte er. Sollte die «Oligarchie» weiterhin gegen eine solche Umwälzung in Kolumbien sein, dann werde «der revolutionäre Kampf fortgesetzt», warnte «Cano».

Die Regierung Uribe hatte mit US-Militärhilfe in Milliardenhöhe den FARC in den vergangenen acht Jahren die schwersten Niederlagen ihrer Geschichte beigebracht. Die Zahl der Rebellen sank nach Angaben der Regierung von 20 000 zum Beginn der Amtszeit von Uribe 2002 durch Verluste bei Kämpfen, Gefangennahme sowie Fahnenflucht auf jetzt nur noch 8000.

Dennoch versetzen die FARC dem Staat weiterhin empfindliche Schläge. So starben am Samstag fünf Polizisten und ein Soldat bei einer Schießerei mit den Rebellen in der Gemeinde Solita in der im Süden gelegenen Provinz Caquetá. (dpa)

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