USA Terrorfracht in Luftpost: Angst vor neuer Bedrohung

London/Washington/Frankfurt. Die vereitelten Anschläge mit Luftpostpaketen auf Ziele in den USA haben die Sicherheitskontrollen im Frachtverkehr ins Visier der Terrorfahnder gebracht. In den USA verschärfte Präsident Barack Obama die Kontrollen der Luftfracht.
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London/Washington/Frankfurt. Die vereitelten Anschläge mit Luftpostpaketen auf Ziele in den USA haben die Sicherheitskontrollen im Frachtverkehr ins Visier der Terrorfahnder gebracht. In den USA verschärfte Präsident Barack Obama die Kontrollen der Luftfracht.

Die britische Innenministerin Theresa May sagte am Samstagmorgen, die Maßnahmen würden derzeit überprüft. Mehrere britische und US-Medien berichteten übereinstimmend, die Pakete aus dem Jemen seien nur durch Hinweise von Geheimdienstlern entdeckt worden und nicht, weil die regulären Sicherheitschecks alleine gegriffen hätten.

In Deutschland sehen die Sicherheitsbehörden zunächst keinen Anlass zu schärferen Kontrollen. Das Sicherheitsniveau in Deutschland sei ohnehin sehr hoch, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Potsdam am Samstag der dpa. Deutsche Behörden stünden in engem Kontakt mit den Sicherheitsdiensten anderer Länder. In Frankfurt bestätigte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport, dass keine Anweisung ergangen sei, Luftfracht und Luftpost schärfer zu überwachen.

Unterdessen gingen die Ermittlungen zum Ausmaß der Bedrohung durch die beiden Pakete auf Hochtouren weiter. Die Päckchen waren am Freitag in Dubai sowie auf dem britischen Flughafen East Midlands bei Nottingham gefunden worden. Sie waren an jüdische Einrichtungen in den USA adressiert. Bis zum Mittag war noch nicht klar, ob es sich bei der mit «explosiven Materialien» versehenen Fracht tatsächlich um voll funktionsfähige Bomben handelte, hieß es in London.

Beide Päckchen sollen laut US-Sender CNN Druckerpatronen enthalten haben, die mit einem weißen Pulver versehen waren. Bei einem der möglichen Sprengsätze soll ein Anschluss für ein Mobiltelefon, das als Zünder gedacht gewesen sein könnte, gefunden worden sein. Beim Inhalt des in Großbritannien gefundenen Päckchens handelte es sich um eine manipulierte Druckerpatrone, aus der Drähte und ein Schaltkreis hingen.

Am Freitag hatte vieles zunächst auf falschen Alarm hingedeutet. Es war von Bombenattrappen, später von einem Testlauf für einen echten Terroranschlag die Rede gewesen. Obama sagte dann aber wenig später, die Pakete beinhalteten «anscheinend explosives Material». Er sprach von einer «glaubhaften terroristischen Bedrohung». Kurz darauf gab May bekannt, dass in dem in Großbritannien aufgetauchten Paket explosives Material gefunden worden sei. Obama sagte, es werde geprüft, ob es eine Verbindung zu einem Ableger der Terrororganisation Al-Kaida im Jemen gebe. London stoppte am Abend zunächst alle Direktflüge vom Jemen nach Großbritannien.

Das arabische Land ist in den vergangenen Monaten zunehmend ins Visier internationaler Terrorfahnder geraten. Obama habe mit dem jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh telefoniert, der den USA seine volle Unterstützung zugesagt habe, hieß es.

Nach dem Fund waren in den USA Dutzende Frachtflugzeuge der Gesellschaften UPS, DHL und FedEx untersucht worden. In Philadelphia und Newark bei New York wurden insgesamt drei Cargomaschinen auf abgelegene Parkpositionen gezogen, um die Fracht zu durchsuchen. Ein UPS-Lastwagen wurde ebenfalls gestoppt und durchsucht.

Die US-Behörden hatten außerdem zwei F-15-Jagdflugzeuge aufsteigen lassen, um eine Passagiermaschine der Fluggesellschaft Emirates mit Ziel New York zu eskortieren. Sie hatte verdächtige Fracht aus dem Jemen an Bord. Sofort nach der Landung umringten Polizeifahrzeuge die Maschine. Weitere Funde wurden zunächst aber nicht bekannt. (dpa)

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