Irische Behörde ermittelt

Tiktok im Visier der Datenschützer

Der chinesische Videodienst Tiktok soll nicht nur persönliche Daten von Kindern und Jugendlichen verarbeitet haben, sondern sie auch nach China weitergegeben haben. Die irische Datenschutzbehörde ermittelt.
21.09.2021, 20:35
Lesedauer: 2 Min
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Tiktok im Visier der Datenschützer
Von Katrin Pribyl

Die Videos wirken harmlos, wie ein lustiger Zeitvertreib. Nutzer teilen auf Tiktok Aufnahmen ihrer Haustiere, die ihren Kopf rhythmisch zur Musik bewegen, oder Jugendliche stellen Videos ins Netz, in denen sie zu ihren Lieblingsliedern tanzen oder Karaoke singen. Das Problem: Die Plattform ist auch ein fleißiger Datensammler. Deshalb ist der chinesische Kurzvideodienst längst ins Blickfeld der Politik wie auch von Datenschützern weltweit geraten. Vor wenigen Tagen hat nun die irische Datenschutzbehörde DPC verkündet, in zwei Fällen Ermittlungen gegen Tiktok aufgenommen zu haben. Es gehe um die Verarbeitung von persönlichen Daten von Kindern und Jugendlichen, außerdem um die Weitergabe von Kundeninformationen nach China.

Lob von Datenschützern

Datenschützer begrüßen den Schritt, auch wenn er ihrer Meinung nach viel zu spät kommt. „Es zeigt, wie unorganisiert wir in Europa sind“, sagte der Europaabgeordnete Moritz Körner (FDP) gegenüber dem WESER-KURIER. Seit zwei Jahren kämpft er dafür, die Praktiken von Tiktok zu untersuchen. „Wir müssten viel schneller reagieren.“ Als Hemmschuh sieht er „die Datenschutzwüste“ Irland. Das Land wird als Nadelöhr für die Durchsetzung der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) betrachtet, die vor gut drei Jahren in Kraft trat und der zufolge das Prinzip gilt, dass die Behörde jenes EU-Mitgliedstaats zuständig ist, in dem der jeweilige Konzern seine Zentrale angesiedelt hat.

Auf der grünen Insel haben zahlreiche Tech-Konzerne wie Google, Facebook, Apple, Twitter oder eben auch Tiktok ihren europäischen Hauptsitz, weshalb die irische Behörde DPC in diesen Fällen für die Kontrolle verantwortlich ist – zum Leidwesen vieler Verbraucherschützer. „In der Vergangenheit hat die DPC sich leider immer wieder als außerordentlich ineffizient, überfordert und langsam erwiesen“, sagte Tom Jennissen von der Bürgerrechtsorganisation Digitale Gesellschaft. Tatsächlich liegen Tausende weitere Beschwerden auf dem Tisch – und es geht nur schleppend voran. Zwar verurteilte die Kommission den Messenger-Dienst Whatsapp Anfang September zu einer Strafe von 225 Millionen Euro, weil die Facebook-Tochter ihre Nutzer angeblich nicht ausreichend darüber informiert habe, wie deren Daten verwendet werden. Doch das Verfahren wurde bereits 2018 eingeleitet.

Vorwurf: Behördenversagen

Laut Körner zeige die „Odyssee“ bei Tiktok, wie einfach es Big-Tech-Unternehmen hätten, ihre Interessen durchzusetzen. „Während mittelständische europäische Unternehmen sich mit viel Aufwand an die Datenschutzvorgaben halten, können chinesische Datendrachen aufgrund von Behördenversagen die Daten der Kinder und Jugendlichen in Europa unbehelligt absaugen“, so der FDP-Politiker. Tiktok wird insbesondere von Teenagern genutzt, die auf dem Smartphone Videos aufnehmen und diese hochladen.

Tiktok hat schon einmal auf den Druck reagiert und vor wenigen Monaten schärfere Kontrollen für Jugendliche eingeführt. Reichen diese aus? Die Menschen sollten sich generell und nicht nur bezüglich Tiktok Sorgen um die Verarbeitung und Weitergabe persönlicher Daten von Kindern machen, meint Jennissen. „Der besondere Schutz der Daten Minderjähriger ist leider relativ schwach ausgestaltet und läuft allzu oft ins Leere.“

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