Afghanistan Verhandlungen über Kundus-Entschädigung vor Einigung

Bremen. Im Ringen um Entschädigung nach dem Bombardement am Kundus-Fluss steht offenbar eine Einigung bevor. Vertreter der Bundesregierung und der Bremer Opfer-Anwalt Karim Popal verhandeln vor Ort in Kundus.
11.01.2010, 06:31
Lesedauer: 2 Min
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Von Rainer Kabbert

Bremen. Im Ringen um Entschädigung nach dem Nato-Bombardement am Kundus-Fluss steht offenbar eine Einigung bevor. Vertreter der Bundesregierung und der Bremer Opfer-Anwalt Karim Popal verhandeln vor Ort in Kundus. „Auch die Bundeswehr ist für den Aufbau von Projekten für die Hinterbliebenen“, sagte Popal dem WESER-KURIER. Am Montag und Dienstag soll im Bundeswehr-Feldlager in Kundus noch über Details geredet werden.

Die bieten noch Stoff für Gespräche. Popal fordert drei Projekte, die von der Bundeswehr langfristig finanziert werden sollen. Im Gespräch sind zehn Jahre.

Erstens: Bau eines Waisenhauses für die Kinder, die durch das vom Bundeswehr-Oberst Georg Klein angeforderte Bombardement von Tank-Lastern ihre Eltern verloren haben. Popal geht von 163 Waisen aus. Eine Schule und ein Kindergarten sollten im Waisenhaus integriert sein. Beim Bomben-Abwurf vom 4.September sollen bis zu 142 Menschen gestorben sein, darunter viele Zivilisten.

Zweitens: Kauf von Immobilien beziehungsweise Ackerland, um den Hinterbliebenen eine langfristige Sicherung ihrer Existenz zu ermöglichen.

Drittens: Entwicklung einer Genossenschaft für die 91 Witwen, in der sie Arbeit finden und milchverarbeitende Viehzucht betrieben werden soll. Auch für die Versorgung für die gesamte Kundus-Region mit rund einer Million Menschen. "Es wäre die erste Genossenschaft für Frauen in Afghanistan", meinte der 53-Jährige.

Die Projekte sollten von Vertretern der Frauenorganisationen geleitet werden, die auch im sechsköpfigen Recherche-Team vor Ort mitgearbeitet haben. Bei der Verwaltung der Projekte könnte auch die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit einbezogen werden. Zum Schutz der Projekte sollten afghanische Sicherheitskräfte stationiert werden. Der Bremer Jurist, in Afghanistan geboren und als 19-Jähriger nach Deutschland geflohen, erhofft sich fünf bis sechs Millionen Euro für die Projekte. Zudem fordert er "Handgeld" für die Betroffenen, bis die Projekte in Gang kommen. "Die Menschen brauchen jetzt Hilfe, viele werden von den Nachbarn ernährt." Popal ist am Wochenende mit dem im Verteidigungsministerium zuständigen Regierungsdirektor Christian Raap erst nach Maser-A-Sharif und von dort im Helikopter nach Kundus geflogen. Mit schusssicherer Weste und Helm: "Die Sicherheitslage ist sehr schlecht", sagte Popal. Ziel der Reise ist eine "Lagefeststellung": Identitäten von Opfern und Hinterbliebenen sollten geklärt, die 78 Vollmachten abgeglichen, Fingerabdrücke von Fürsorgeberechtigten überprüft werden. Die Gespräche laufen im Feldlager der Bundeswehr in Kundus. Auch mit Oberst Kai Rohrschneider, dem Nachfolger von Oberst Klein und Kommandeur des Regionalen Wiederaufbauteams.

Nach Einschätzung von Popal hat die deutsche Seite seine Unterlagen akzeptiert, "im Grunde" ebenso eine Entschädigung über die Projekte. Sie verzichtete auch auf ein Zusammentreffen mit den Hinterbliebenen. Ursprünglich waren neben Popal drei weitere Anwälte im Team. Über die Gründe der Trennung kursieren unterschiedliche Versionen. Popal sagte, die drei Anwälte aus Berlin und Frankfurt/Main waren gegen die Projektlösung.

Unterdessen flammt die Debatte über die Entsendung weiterer Bundeswehr-Soldaten nach Afghanistan neu auf. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat eine Zustimmung seiner Partei nicht ausgeschlossen. Für mehr Kampftruppen gebe es aber keine Unterstützung seiner Fraktion, sagte Steinmeier. Stattdessen sollten aus dem derzeitigen Kontingent mehr Kräfte für die Ausbildung afghanischer Soldaten und Polizisten bereitgestellt werden.

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