Menschenrechte Verwirrung um verschwundenen Anwalt in China

Peking . Das Schicksal des seit einem Jahr spurlos verschwundenen chinesischen Bürgerrechtlers Gao Zhisheng ist weiter unklar.
16.03.2010, 14:10
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Peking . Das Schicksal des seit einem Jahr spurlos verschwundenen chinesischen Bürgerrechtlers Gao Zhisheng ist weiter unklar.

Chinas Außenminister Yang Jiechi sagte am Dienstag bei einem Treffen mit dem britischen Außenminister David Miliband, der Anwalt sei wegen Untergrabung der Staatsgewalt zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Vorwürfe über Folter wies der Außenminister zurück, wie die britische Rundfunkgesellschaft BBC von den Gesprächen berichtete.

Mit seinen Äußerungen trug Yang Jiechi aber noch zur Verwirrung über den Verbleib des Menschenrechtsanwalts bei. Weder der Minister noch sein Ministerium beantworteten die Frage, ob es sich um das Urteil von 2006 zu drei Jahren Haft gegen den Bürgerrechtler oder um eine neue Verurteilung handelt. Bei einer Inhaftierung hätten die Angehörigen unterrichtet werden müssen, erläuterten Rechtsexperten.

Die USA und andere Staaten hatten sich bisher vergeblich für Gao Zhisheng eingesetzt und Aufklärung über seinen Aufenthaltsort gefordert. Er war ein offiziell gepriesener Spitzenanwalt, bevor er sich für politisch Verfolgte einsetzte und scharfe Kritik an der kommunistischen Ein-Parteien-Diktatur übte. Das Urteil von 2006 war zunächst nicht vollstreckt worden, doch blieb Gao Zhisheng unter Hausarrest und Beobachtung der Staatssicherheit.

Wegen der großen Belastung durch die ständige Überwachung der Familie flüchtete seine Frau Geng He Anfang 2009 mit den beiden Kindern über die südchinesische Grenze und weiter nach Thailand, bat um Asyl in den USA, wo sie heute lebt. Kurz darauf wurde Gao Zhisheng in Haft genommen und ist seitdem wie vom Erdboden verschluckt. (dpa)

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