Unabhängigkeitsreferendum Votum: Neukaledonien bleibt französisch

Das Inselparadies Neukaledonien ist für Frankreich ein strategisch wichtiger Standort im Indopazifik. Deshalb ist das Aufatmen in Paris groß: Die Bewohner stimmen zum dritten Mal gegen eine Abspaltung.
12.12.2021, 13:55
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa

Nouméa/Paris (dpa) - Das strategisch wichtige Überseegebiet Neukaledonien wird auch künftig weiter zu Frankreich gehören.

Beim dritten und vorerst letzten Unabhängigkeitsreferendum in dem Inselparadies stimmten am Sonntag 96,5 Prozent der Teilnehmer für einen Verbleib bei Frankreich - allerdings war die Wahlbeteiligung nach Angaben des Senders 1ère Nouvelle Calédonie extrem niedrig. Das Archipel im Südpazifik war früher eine französische Kolonie, genießt jedoch heute weitreichende Autonomie.

Nach viel Kritik im Vorfeld blieben mehr als die Hälfte der rund 185.000 Wahlberechtigten dem Votum fern. Die Beteiligung lag nur bei knapp 44 Prozent. 2018 und 2020 hatte sie sich noch auf mehr als 80 Prozent belaufen. Separatisten hatten vor der Wahl zum Boykott aufgerufen. Wegen der Corona-Pandemie und der zeitlichen Nähe zu den französischen Präsidentschaftswahlen hatten sie eine Verschiebung des Votums gefordert.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron wertete das Ergebnis als Stolz und Anerkennung für die französische Nation. An die Bevölkerung Neukaledoniens gewandt sagte er: „Frankreich ist stolz, euer Vaterland zu sein.“ Macron verwies gleichzeitig auf eine weiterhin tief gespaltene Wählerschaft in dem Überseegebiet.

Für viele enttäuschend

Das Ergebnis dürfte vor allem für die Bevölkerungsgruppe der Kanaken - Neukaledoniens melanesische Ureinwohner - eine Enttäuschung sein. Von ihnen hoffen viele seit langem auf einen eigenen Staat. Nun soll in einer Übergangsphase bis Juni 2023 ein neuer Status Neukaledoniens vorbereitet werden, den eine weitere Abstimmung bestätigen soll. Macron sagte, es läge nun an allen, gemeinsam mit Respekt und Ambition die gemeinsame Geschichte zu schreiben. Dabei müsse man über rechtliche und institutionelle Fragen hinausgehen. Er versprach einen sofortigen thematischen Austausch mit Vertretern des Archipels.

Neukaledonien ist für Frankreich als Standort im geopolitisch umkämpften Indopazifik, wo Peking immer mehr an Einfluss zu gewinnen versucht, strategisch und militärisch von Bedeutung. Die französischen Streitkräfte unterhalten im Archipel eine Basis. Zudem hat Neukaledonien extrem reiche Vorkommen von Nickel, jenem Metall, das unabdingbar für die Herstellung etwa von Mobiltelefonen und Flachbildschirmen ist. Wenn Frankreich, das bisher dank seines Überseeterritoriums erhebliche Mengen Nickel exportiert, seinen Einfluss verlieren würde, könnte China sich Experten zufolge auf das Metall stürzen.

Zum dritten Mal

Bereits im November 2018 und Oktober 2020 hatte sich eine Mehrheit in Neukaledonien gegen die Trennung ausgesprochen - jedoch lag diese damals nur bei 56,4 beziehungsweise 53,3 Prozent. Das Abkommen von Nouméa von 1998 hatte im Rahmen der Dekolonialisierung Neukaledoniens bis zu drei Unabhängigkeitsreferenden vorgesehen.

Die Melanesian Spearhead Group (MSG) (Melanesische Speerspitzengruppe) rief die Mitgliedstaaten bereits vor Verkündung des Resultats dazu auf, das Ergebnis nicht anzuerkennen. Die MSG ist eine 1983 gegründete Organisation von Staaten mit melanesischer Bevölkerung. MSG-Generaldirektor George Hoa'au teilte mit, die Situation im Archipel sei derzeit nicht angemessen für eine freie und faire Wahl.

Neukaledonien mit der Hauptinsel Grande-Terre steht unter der Territorialhoheit Frankreichs, dessen Hauptstadt Paris 18.000 Kilometer entfernt ist. Das Archipel erhält jährlich 1,5 Milliarden Euro Beihilfen aus Paris. Die Gegner der Unabhängigkeit befürchten einen Wirtschaftsrückgang, sollten die Verbindungen nach Frankreich gekappt werden.

Das Archipel Nouvelle-Calédonie (wörtlich übersetzt: Neuschottland) hatte James Cook 1774 bei seiner zweiten Südseereise als erster Europäer betreten. 1853 war es von Frankreich in Besitz genommen worden und wurde anfangs als Sträflingsinsel genutzt. Heute leben dort neben den Ureinwohnern vor allem Nachfahren der Kolonisten sowie viele Zuwanderer aus anderen Pazifikstaaten.

© dpa-infocom, dpa:211212-99-353742/4

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