Kommentar zur Bafög-Reform

Bafög-Satz ist oft niedriger als Hartz IV

Die Bafög-Reform war überfällig. Doch die Hindernisse, die Abiturienten ohne elterliche Unterstützung von einem Studium abhalten, baut sie nicht ab. Dazu müsste man viel mehr ändern, meint Carolin Henkenberens.
30.01.2019, 20:43
Lesedauer: 1 Min
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Bafög-Satz ist oft niedriger als Hartz IV
Von Carolin Henkenberens
Bafög-Satz ist oft niedriger als Hartz IV

Die Zahl der Bafög-Empfänger nahm zuletzt deutlich ab.

Andrea Warnecke/dpa

Auf das Bafög kann der deutsche Sozialstaat stolz sein. Im Ausland zahlen Studenten oft hohe Gebühren, hierzulande ermöglicht die Förderung ein Studium oder schulische Weiterbildung für materiell benachteiligte Studenten und Schüler. Höchstens 10 000 Euro müssen zurückgezahlt werden, wer zu wenig verdient, kann die Raten aussetzen. Diese sozialpolitische Errungenschaft darf ihre Kraft nicht verlieren.

Doch genau danach sieht es derzeit aus. Die Zahl der Bafög-Empfänger nahm zuletzt deutlich ab – und das, obwohl immer mehr Menschen studieren. Das weist auf eine massive Schieflage hin. Die Gründe liegen tiefer. Jedes Jahr wieder belegen Studien, dass Akademikerkinder deutlich öfter Abitur machen. Und wenn ein Arbeiterkind dies schafft, sind dessen Chancen, an einer Hochschule zu landen, gerade mal ein Drittel so groß wie die seines Freundes mit studierten Eltern. Diese Zahlen haben sich seit Jahren nicht gebessert.

Die Bafög-Reform war deshalb überfällig. Dass der Wohnzuschlag von 250 auf 325 Euro erhöht wird, ist angesichts von Zimmerpreisen in Großstädten wie Hamburg oder München von bis zu 600 Euro mehr eine Anpassung an die Realität denn eine reale Entlastung. Auch ist es notwendig, dass Studierende etwas mehr eigenes Vermögen haben dürfen (künftig 8200 Euro). Wer zu Schulzeiten gearbeitet und fürs Studium gespart hat, darf nicht dafür bestraft werden.

Doch die Hindernisse, die Abiturienten ohne elterliche Unterstützung trotz Aussicht auf Bafög von einem Studium abhalten, baut die Reform nicht ab. Dafür müsste man unter anderem an die Berechnung des Förderungshöchstsatzes heran. Der liegt nach Abzug von Krankenkassenbeitrag und Miete oft unterhalb des Hartz-IV-Satzes. Das bedeutet: jobben, auch in der Prüfungsphase.

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