Arbeitsbedingungen in Katar: Human Rights Watch dauern versprochene Reformen zu lange Baustelle der Menschenrechte

Doha. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisiert das verschleppte Tempo von WM-Ausrichter Katar bei der Eindämmung von Menschenrechtsverletzungen auf WM-Baustellen und in der gesamten Bauwirtschaft. „Es ist gut, dass Katar Reformen versprochen hat.
07.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Tom Mustroph

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisiert das verschleppte Tempo von WM-Ausrichter Katar bei der Eindämmung von Menschenrechtsverletzungen auf WM-Baustellen und in der gesamten Bauwirtschaft. „Es ist gut, dass Katar Reformen versprochen hat. Aber sie haben noch nicht geliefert“, erklärte Sarah Leah Whitson, die Human-Rights-Watch-Direktorin für Nordafrika und den Nahen Osten, dieser Zeitung bei der Vorstellung des Weltjahresreports ihrer Organisation in Doha.

Human Rights Watch kritisiert in erster Linie, dass Arbeitsmigranten überhöhte Vermittlungsgebühren zahlen müssen, oft gezwungen werden, ihren Pass beim Arbeitgeber abzugeben, nicht das Recht auf freie Arbeitsplatzwahl haben und auch nicht frei ausreisen können. Weitere Probleme betreffen verspätete Lohnauszahlungen und miserable Wohnbedingungen. „Das sind alles für sich genommen schon schlechte Mechanismen. Aber zusammen werden sie extrem giftig. Sie ergänzen und verstärken sich gegenseitig. Und sie erzeugen ein Regime der Zwangsarbeit“, kritisierte der Spezialist von Human Rights Watch für die Golfregion, Nicholas McGeehan, den WM-Ausrichter. McGeehan lobte aber auch Katars Offenheit, sich zumindest dem Problem zu stellen: „Es ist positiv, dass Journalisten und Nichtregierungsorganisationen nach Katar kommen und das Thema bearbeiten können.“

Dennoch greifen die im Mai 2014 angekündigten Reformen zu kurz. Katar versprach damals erhöhte Strafen für Arbeitgeber, die Pässe einbehalten. Löhne sollen in Zukunft elektronisch ausgezahlt und so besser kontrolliert werden. Die Ausreise soll erleichtert werden. Und die Arbeiter sollen das Recht erhalten, ihren Arbeitsplatz wechseln zu können.

Noch weitergehende Ethikregeln stellten die staatliche Qatar Foundation und das Supreme Committee, das Ausrichterkomitee für die WM vor. Human Rights Watch fürchtet aber, dass damit ein Vorzeigearbeitsmarkt für WM-Baustellen entsteht, auf allen anderen Sektoren aber weiter extrem ausbeuterische Verhältnisse herrschen. Es könne nicht sein, dass der Arbeiter in einem WM-Stadion vor Zwangsarbeit und Menschenhandel geschützt sei, der Bauarbeiter auf der Nachbarbaustelle aber nicht, sagte Whitson.

Mit Fundamentalkritik hielt sie sich aber zurück. Human Rights Watch ist sogar ein überraschender Partner Sepp Blatters in Sachen WM-Standort Katar. Denn in der Aufmerksamkeit, mit der die Welt derzeit wegen der WM in den Wüstenstaat blickt, sehen die Menschenrechtler eine große Chance, ausbeuterische Arbeitsverhältnisse auf Dauer zu ändern. „Das ist ganz klar ein Motor für Reformen. Wir sind froh, dass die WM nach Katar kommt. Das ist eine gute Möglichkeit zur Entwicklung und für bessere Jobs für Millionen von Arbeitern“, sagte Whitson dieser Zeitung. Human Rights Watch ist aber auch in Sorge, dass Widerstände vor allem in Wirtschaftskreisen Katars diesen Reformmotor abwürgen könnten. „Wenn wir es nicht schaffen, durch diese WM Verbesserungen zu erreichen, dann scheitern wir als Menschenrechtsvertreter“, sagte McGeehan. Er forderte auch die westlichen Regierungen auf, Einfluss auf Katar auszuüben und die Unternehmen ihrer Länder zu unterstützen, die aus eigenem Antrieb für bessere Bedingungen in Katar als üblich sorgen wollen, darin aber gehindert werden.

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