Mehr Abwehr gegen das Coronavirus Wie in Bayern: Bremen kann sich FFP2-Maskenpflicht vorstellen

FFP2-Maskenpflicht in Bayern: Bisher ist das unter den Bundesländern noch ein Alleingang, doch auch Bremen kann sich das vorstellen, wie Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sagt.
14.01.2021, 20:20
Lesedauer: 4 Min
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Wie in Bayern: Bremen kann sich FFP2-Maskenpflicht vorstellen
Von Jürgen Hinrichs

Wieder ist es Markus Söder (CSU), der vorprescht. Bayerns Ministerpräsident hat entschieden, dass seine Landsleute ab Montag kommender Woche in Bussen und Bahnen und in den Geschäften eine FFP2-Maske tragen müssen – nicht länger nur den einfachen Mund-Nasen-Schutz wie bisher, sondern das Modell für noch mehr Abwehr gegen das Coronavirus.

Die Meinungen dazu gehen auseinander. Unbedingt mehr tun als bisher, sagen die einen. An allen noch möglichen Stellschrauben drehen, fordern sie, zumal die Infektionszahlen trotz des Lockdowns auf hohem Niveau verharren und mancherorts sogar steigen. Andere, auch Virologen, warnen davor, sich mit der FFP2-Maske in einer trügerischen Sicherheit zu wiegen und Vorsichtsmaßregeln wie die Abstandspflicht nicht mehr so ernst zu nehmen.

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Einer Kritik hat Söder bereits den Stachel gezogen. Masken dieser Güte kosten deutlich mehr Geld als die einfache Variante. Wie sollen sich das Hartz-IV-Empfänger leisten, fragten unter anderem die Linken. Die bayerische Landesregierung hat ihre Verordnung daraufhin nachjustiert. Sie wird nach eigenen Angaben ab Montag 2,5 Millionen FFP2-Masken an Bedürftige ausgeben.

Das SPD-geführte Bundessozialministerium hatte sich in dieser Woche dahingehend geäußert, dass Hartz-IV-Empfänger grundsätzlich selbst für den vom Staat vorgeschriebenen Schutz mit Masken aufkommen müssten. Es gebe einen monatlichen Pauschalbetrag, über den die Empfänger eigenverantwortlich verfügen könnten. Wenn es an der einen Stelle mehr Kosten gebe, müsse in einem anderen Bereich eben gespart werden. Das sei in jedem anderen Haushalt schließlich auch so, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Ein wirksamer Fremd- und Eigenschutz

Bremen kann der bayerischen Initiative einiges abgewinnen. „Das liegt ganz auf unserer Linie“, sagt Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). FFP2-Masken seien nicht nur ein wirksamer Fremdschutz, sondern auch ein effektiver Eigenschutz – und damit ein wichtiger Beitrag zur Eindämmung der Pandemie. Bevor man FFP2-Masken im ÖPNV und im Einzelhandel zur Pflicht mache, müsse allerdings sichergestellt sein, dass ausreichend Masken vorhanden und auch für Menschen mit wenig Geld zugänglich sind. „Wie das am besten realisiert werden kann, darüber wird der Senat beraten. Erste Gespräche mit dem Handelsverband Nordwest wurden bereits geführt“, so der Bürgermeister.

Vor zwei Monaten waren in Bremen an Menschen im Alter von über 65 Jahren von den Apotheken kostenfrei FFP2-Masken ausgegeben worden. In der ersten Tranche waren es mehr als 700.000 Stück. Weitere 1,5 Millionen solcher Masken lagen einige Tage später hinterm Apothekentresen bereit. Im Dezember hatte der Bund dafür gesorgt, dass Menschen mit besonders hohem Risiko, sich zu infizieren und dabei schwer zu erkranken, drei FFP2-Masken gratis in der Apotheke abholen können – das sind bis zu 27 Millionen Menschen. Seit dem 7. Januar werden dafür Gutscheine von den Krankenkassen benötigt, die freilich noch auf sich warten lassen. Sie berechtigen dazu, zweimal je sechs Masken mit einem Eigenanteil von jeweils zwei Euro zu bekommen. Den Bund kostet die Aktion im Ganzen 2,5 Milliarden Euro.

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Die Preise für FFP2-Masken schwanken enorm. Auf Nachfrage in einer Bremer Apotheke wurde am Donnerstag ein Preis von 1,95 Euro genannt. Im Internet können CE-zertifizierte Masken auch schon unter 1,50 Euro das Stück erworben werden. Nicht selten werden aber auch Preise von mehreren Euro aufgerufen. An ausreichenden Mengen mangele es nicht, versichert die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Zwar sei es immer mal wieder möglich, dass es zu Lieferengpässen komme, dann aber nur in Einzelfällen.

Dass die FFP2-Maske nicht das Maß aller Dinge ist, betont Christof Asbach, Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung. Die Masken böten selbst dann keinen hundertprozentigen Schutz, wenn sie perfekt getragen würden, sagte Asbach. Die FFP2-Variante müsse den Anforderungen zufolge 94 Prozent der Partikel filtern – damit gingen immer noch sechs Prozent durch. „Man muss sich generell von der Vorstellung freimachen, dass es eine einzige Maßnahme gibt, die das Risiko einer Infektion auf null senkt“, so Asbach. Wichtig sei ein Mix.

Kein Engpass mehr an FFP2-Masken

Wenn die FFP2-Maske im Gesicht nicht sauber abschließe, sei sie im Grunde nicht wirksamer als ein einfacher Mund-Nasen-Schutz. Ein besonderes Problem hätten deshalb Bartträger. Asbach: „Im Grunde bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, sich zu rasieren.“ Wenig Unterschied mache es, ob die Masken aus den Klassen FFP2, N95 oder KN95 sind. „Das ist ein ähnlicher Standard.“ Entscheidend sei die Qualität. „Man sollte nicht so sehr auf den Preis achten, sondern auf eine vertrauenswürdige Quelle“, rät der Experte. Anders als im Frühjahr gibt es seiner Einschätzung nach keinen Engpass mehr an FFP2-Masken. Sie seien eigentlich für den Arbeitsschutz gemacht und hielten mindestens acht Stunden am Tag. Das gelte auch, wenn man die Zeit beim Tragen etwa im Bus und beim Einkaufen aufaddiere. „Mit acht Stunden ist man auf der sicheren Seite“, so Asbach.

Die von vielen Menschen genutzten Alltags- oder OP-Masken seien nur eine Art „Spuckschutz“, erklärt Alfred Wiedensohler, Aerosolforscher des Leibniz-Instituts, in einem Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Der Vorstoß Bayerns macht nach Einschätzung des Professors Sinn: „Es wäre eine große Verbesserung, wenn alle Bürger im öffentlichen Raum diese Masken tragen würden. Damit könnten wir die Kontrolle über die Pandemie zurückbekommen.“

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