Kommentar über den evanagelischen Kirchentag Beliebig evangelisch

Eine nennenswerte eigene Themensetzung ist dem Kirchentag im Jahr des Reformationsjubiläums nicht gelungen. Wie üblich gab es den großen Gemischtwarenladen, schreibt Benjamin Lassiwe.
28.05.2017, 20:09
Lesedauer: 1 Min
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Von Benjamin Lassiwe

Eine nennenswerte eigene Themensetzung ist dem Kirchentag im Jahr des Reformationsjubiläums nicht gelungen. Wie üblich gab es den großen Gemischtwarenladen, schreibt Benjamin Lassiwe.

Rund 120 000 Menschen beim Abschlussgottesdienst, 106 000 Dauerteilnehmer in Berlin. Die Veranstalter des Deutschen Evangelischen Kirchentags können zufrieden sein. Im Jahr des Reformationsjubiläums haben Deutschlands Protestanten gezeigt, dass sie sich für politische Diskussionen interessieren. Nicht zuletzt das Gespräch von Barack Obama mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Massen angezogen.

Aber ob das dazu führt, dass sich unter Deutschlands Evangelischen eine „Generation 2017“ herausbildet, wie es der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, am Sonntag vorschlug? Bei Lichte betrachtet können die Protestanten eigentlich nur froh darüber sein, dass der frühere US-Präsident bei ihrem Treffen zu Gast war. Denn eine nennenswerte eigene Themensetzung ist dem Kirchentag im Jahr des Reformationsjubiläums nicht gelungen.

Großer Gemischtwarenladen

Wie üblich gab es den großen Gemischtwarenladen – vom Klimawandel zu den Frauenrechten, von Martin Luther bis zur AfD. Und natürlich spukten auch immer die gut lutherischen Begriffe „Freiheit“ und „Verantwortung“ durch die Berliner Messehallen. Und erst Sonntag versuchte der afrikanische Bischof Thabo Makgoba Luther zum Vater demokratischer Freiheiten hochzustilisieren. Ganz ehrlich: Wird man sich wirklich an mehr als an einen Festgottesdienst bei tropischer Hitze zurückerinnern, wenn man in zehn Jahren über den Kirchentag in Berlin und Wittenberg spricht?

Ausgewertet werden muss in jedem Fall das Fiasko der „Kirchentage auf dem Weg“. Gemessen daran, dass diese Veranstaltungen in acht Städten Mitteldeutschlands mit einem erheblichen Etat aus öffentlichen wie kirchlichen Mitteln ausgestattet waren, waren die Teilnehmerzahlen dort schlicht zu gering. Es ist klare Aufgabe der im Herbst in Bonn tagenden EKD-Synode, zu überprüfen, warum dort nicht rechtzeitig die Notbremse gezogen wurde. Und es bleibt zu hoffen, dass wegfallende Teilnehmerbeiträge nicht dazu führen, dass an dieser Stelle noch kräftig Geld nachgeschossen werden muss.

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