Gastbeitrag über Technik in der Schule

Besser moderne Pädagogik als schädlicher Digital-Hype

Digitale Technik im Unterricht mag mitunter hilfreich sein. Laptops allein aber machen noch keine besseren Schüler - nicht Computer, sondern der Mensch ist des Menschen Lehrer, sagt Laura Pooth.
21.06.2018, 17:09
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Laura Pooth
Besser moderne Pädagogik als schädlicher Digital-Hype
Peter Steffen

Die Digitalisierung gehört zu unserer Zeit. Im Bildungsbereich erscheinen Begriffe wie Smartboards oder „byod“ („bring your own device“, also eigene Endgeräte im Unterricht) besonders positiv. Wer sie nicht im ersten Atemzug befürwortet, wird schnell in die Schublade angeblicher Modernisierungsverweigerung gesteckt.

Ein Smartboard im Klassenraum statt einer klassischen Tafel macht sicher vieles möglich. Aber Geräte der Unterhaltungsindustrie in den Schulen zur Pflicht zu machen, wie es die Kultusministerkonferenz derzeit plant, ist weder pädagogisch noch bildungspolitisch zu begründen. Doch woher stammt diese vermeintliche Begründung?

Dazu muss man wissen, dass die verantwortliche Politik sich in dieser Frage nicht etwa – wie man vermuten könnte – von Kinderärzten, Pädagogen, Lern­psychologen oder Neurowissenschaftlern, die sich mit den fatalen Folgen ausufernder Nutzung von Bildschirmmedien beschäftigen, beraten lässt. Nein, im Beratungsgremium des Bundeswissenschaftsministeriums sitzen Microsoft, SAP und die Telekom. Ein Schelm, wer da aus Unternehmenssicht an einen riesigen Absatzmarkt denkt. Immer wieder neue Laptops für alle Lehrenden – ein gi­gantisches Einfallstor für die IT-Unter­nehmen, die seit Jahren Lobbyarbeit betreiben.

In den angelsächsischen Ländern lassen sich schon heute die Folgen dieser vorgeblichen „Schulpolitik“ ablesen: Alle, die es sich leisten können, schicken dort ihre Kinder auf Privatschulen, an denen nicht auf automatisierte Unterrichts­stunden von Software und Sprach­systemen gesetzt wird, sondern auf die Lehr- und Beziehungsarbeit echter Menschen aus Fleisch und Blut. Denn: Der Einsatz digitaler Endgeräte führt gar nicht per se zu besseren Lernerfolgen. Es kommt vielmehr auf die jeweilige Lehrperson an.

So formuliert es auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Wenn überdies Bildungschancen angeglichen werden sollten, dann seien die Grundkenntnisse in Rechnen und Schreiben intensiver zu fördern, befindet die OECD. Zudem müssen die Fähigkeit zum kritischen Umgang mit Technik, eigenständiges Denken und die Einordnung recherchierter Fakten maßgebliche Ziele sein.

Digitales kann dabei helfen. Entscheidend bleibt jedoch die pädagogische Arbeit mit jedem einzelnen Kind und Jugendlichen. Nicht Medientechnik oder Computer, sondern der Mensch ist des Menschen Lehrerin und Lehrer. Deshalb muss es endlich genug qualifizierte Beschäftigte in den Schulen geben – der Digital-Hype hilft hier wenig.

Info

Zur Person

Unsere Gastautorin

ist Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen. Sie unterrichtete zehn Jahre an den Haupt- und Oberschulen in Selsingen (Kreis Rotenburg) und Hesel (Kreis Leer) Deutsch und Englisch.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+