Kommentar über die Türkei und die Nato

Besser ruhig bleiben

Ein Rauswurf der Türkei aus der Nato wäre der falsche Weg, auch wenn Berlin und Brüssel allen Grund dazu hätten. Außenpolitik aber sollte Stimmungen ausblenden, schreibt Hans-Ulrich Brandt.
29.10.2019, 19:53
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Besser ruhig bleiben
Von Hans-Ulrich Brandt
Besser ruhig bleiben

Weiter im Gespräch: der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu (rechts) und NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

DPA

Dem türkischen Präsidenten Erdogan nach dessen Einmarschbefehl in Nordsyrien mal zeigen, wo der Hammer hängt – das wünscht sich die Mehrheit der vom Kölner Meinungsforschungsinstitut YouGov Befragten. Doch wäre ein Rauswurf aus der Nato der falsche Weg, auch wenn Berlin und Brüssel Grund dazu hätten. Außenpolitik aber sollte Stimmungen ausblenden. Heiko Maas tut deshalb gut daran, zu deeskalieren. Das klare Bekenntnis des Außenministers zur türkischen Mitgliedschaft im Verteidigungsbündnis ist richtig.

Viel zu wichtig ist die Türkei für die Nato, als dass sie mal eben hinausgeworfen werden könnte – zumal dies der Nato-Vertrag rechtlich auch gar nicht vorsieht. Ankara stellt die zweitgrößte Armee eines Nato-Staates; ganz zu schweigen von der strategischen Bedeutung des Landes an der EU-Südostgrenze. Ohne die Türkei wäre die Nato in ihrer geopolitischen Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt.

Doch weil umgekehrt auch die Türkei durch die Nato-Mitgliedschaft weltpolitisch aufgewertet wird, stehen die Bündnisstaaten einem polternden Präsidenten Erdogan nicht wehrlos gegenüber. Der Pulverdampf wird sich also wieder legen.

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