Kommentar über die Agrarpolitik Billigpreise sind ein Produkt der Politik

In Deutschland wird über billige Lebensmittel gestritten. An den Dumpingpreisen ist Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner nicht ganz unschuldig, meint unser Redakteur Nico Schnurr.
04.02.2020, 05:30
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Billigpreise sind ein Produkt der Politik
Von Nico Schnurr

Es wird in Deutschland über Lebensmittelpreise gestritten, und das ist eine gute Nachricht. Nahrungsmittel haben einen Wert, und deshalb hat Julia Klöckner recht, wenn sie Billigfleisch „unanständig“ findet. Unanständig ist es aber auch, als Agrarministerin so zu tun, als hätten 20-Cent-Hähnchenschenkel so gar nichts mit der eigenen Politik zu tun.

Ja, stimmt schon: Der Preiskampf der Discounter ufert aus. Und ja, stimmt auch: Deutsche Verbraucher reden gern von Tierwohl, zahlen aber oft nicht dafür. Klöckner betont beides ständig. Die Ministerin ist eine Meisterin darin, die Verantwortung für eigene Versäumnisse auf andere abzuwälzen. Denn Billigpreise sind keine Erfindung von gierigen Konzernen und geizigen Kunden.

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Sie sind vor allem Produkt einer Politik, die Kleinbauern bestraft und Megaställe belohnt, die immer mehr Tiere auf immer weniger Raum halten, um noch preiswerter zu produzieren. Wenn Klöckner etwas für die Bauern tun will, sollte sie sich in Brüssel dafür einsetzen, dass die EU-Fördermittel nicht weiter zu 70 Prozent nach Flächengröße verteilt werden. Macht sie nicht. Sie klagt lieber über Zustände, die sie stützt. Auch das ist unanständig.

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