Kommentar zur Bischofskonferenz

Die katholische Kirche wird zurückgepfiffen

Der Vatikan hat die katholische Kirche in Deutschland beim Thema ökumenisches Abendmahl ausgebremst. Für den Ökumenischen Kirchentag im kommenden Jahr ist das ein Tiefschlag, meint Benjamin Lassiwe.
24.09.2020, 05:00
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Von Benjamin Lassiwe

Wieder einmal gibt es Post aus Rom. Wieder einmal zerstört der Vatikan die Hoffnungen vieler Christen in Deutschland. Und wieder einmal geht es um ein Thema, das Protestanten und Katholiken seit der Reformationszeit trennt: die gemeinsame Feier von Abendmahl und Eucharistie. Auch beim dritten Ökumenischen Kirchentag, der trotz der Corona-Pandemie mit bis zu 30.000 Teilnehmern im kommenden Jahr in Frankfurt am Main stattfinden soll, wird sie wohl nicht möglich sein.

Dabei hatte es zunächst hoffnungsvoll ausgesehen: Im vergangenen Jahr veröffentlichte der Ökumenische Arbeitskreis Evangelischer und Katholischer Theologen (ÖAK) ein Papier, das dafür plädierte, die Teilnahme an der jeweiligen Mahlfeier dem Gewissen des Teilnehmers zu überlassen. Womit man eine Kategorie aufgriff, die Papst Franziskus bereits bei der Eucharistie-Zulassung wieder verheirateter Geschiedener ins Spiel gebracht hatte. Die Deutsche Bischofskonferenz nutzte sie in der Orientierungshilfe zur Eucharistie-Zulassung für konfessionsverbindende Ehepartner, die 2018 veröffentlicht wurde und für viel Ärger in Rom ebenso wie in den Reihen konservativer Katholiken sorgte. Mittlerweile ist diese Kategorie jedoch in einer ganzen Reihe deutscher Diözesen von den jeweiligen Bischöfen in Kraft gesetzt worden.

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Deswegen war es nachvollziehbar, dass der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing, der obendrein Co-Vorsitzender des ÖAK ist, noch in der vergangenen Woche erklärte, dass sich auch der Ökumenische Kirchentag an dem Papier orientieren werde. Doch dann meldete sich die Glaubenskongregation und machte recht eindrücklich deutlich, dass aus römischer Sicht derzeit kein Weg zu einem gemeinsamen Abendmahl führt. Womit die katholische Kirche in Deutschland ökumenisch wieder einmal zurückgepfiffen wurde. Man wäre gern vorausgelaufen, hätte gerne einen Fortschritt erzielt. Doch wieder einmal war die Brücke nicht stabil genug: Und nun stehen die Katholiken wie begossene Pudel am Rand des Flusses und müssen hilflos mit ansehen, wie ihre Träume von mehr Ökumene von der Strömung aus Rom davongespült werden.

Für den Ökumenischen Kirchentag ist die Post aus Rom jedenfalls ein Tiefschlag. Und für viele liberale Katholiken auch. Denn das ist doch einer der Effekte solcher Briefe: Der katholischen Kirche kommt immer mehr Volkskirchlichkeit abhanden. Die gigantischen Austrittszahlen, die beide großen Kirchen im vergangenen Sommer verkünden mussten, stammen schließlich meist vom liberalen Rand. Fromme Pietisten und katholische Traditionalisten treten höchstens in eine andere Gemeinde über. Ganz mit der Kirche Schluss machen in der Regel nur enttäuschte Liberale. Weswegen es eine für beide Kirchen bedeutende Diskussion ist, darüber nachzudenken, was für eine Art von Kirche man in 20 oder 30 Jahren eigentlich gern sein möchte.

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Vorerst freilich ist ökumenisch gesehen das große Wundenlecken angesagt. Natürlich, kraft seiner Vollmachten als Ortsbischof könnte Georg Bätzing beim Kirchentag in Frankfurt, der ja in seiner eigenen Diözese Limburg stattfindet, noch versuchen, an der Empfehlung des ÖAK-Papiers festzuhalten. Sonderlich wahrscheinlich aber ist das nicht: Denn so lange er Vorsitzender der Bischofskonferenz ist, ist er durch sein Amt gebunden. Er muss auch mit den Konservativen in der Kirche, wie etwa dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, weiter zusammenarbeiten können. Deswegen wird wohl auch jede mögliche Neufassung des Papiers eine um die Frage der Gewissensentscheidung entschärfte Fassung sein.

Aber braucht es diese Debatten im Vorfeld des Kirchentags eigentlich? Warum muss es bei einem Kirchentag mitten in der Pandemie überhaupt Eucharistie- und Abendmahlsfeiern geben? Um Infektionen mit dem – vermutlich auch im Sommer kommenden Jahres noch – grassierenden Coronavirus zu vermeiden und sich die Peinlichkeit einer durch ein Fenster in einer Plexiglasscheibe gereichten Hostie zu ersparen, wäre es wohl besser, man würde schlicht ganz darauf verzichten. Und den Ökumenikern in beiden Kirchen würde das neue Zeit für Dialoge geben.

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