Ergebnis einer Forsa-Umfrage Bremer sind mit Bürgermeister Carsten Sieling unzufrieden

Bremens Regierungschef Carsten Sieling steht nicht gut dar, betrachtet man die Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage zur Zufriedenheit mit den Ministerpräsidenten der Länder.
30.01.2018, 09:39
Lesedauer: 4 Min
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Bremer sind mit Bürgermeister Carsten Sieling unzufrieden
Von Ina Bullwinkel

Bei einer Umfrage zur Beliebtheit von Ministerpräsidenten hat Bremens Regierungschef Carsten Sieling (SPD) den vorletzten Platz belegt. Mehr als die Hälfte, 54 Prozent der befragten Bremer, sind demnach unzufrieden mit ihrem Landesvater. 37 Prozent sind mit seiner Arbeit einverstanden. Nur Horst Seehofer (CSU), der bayerische Ministerpräsident, schnitt noch schlechter ab. Mit ihm sind laut der Umfrage 63 Prozent der Bayern unzufrieden und 31 Prozent zufrieden.

Für die Umfrage, die von der RTL-Mediengruppe in Auftrag gegeben worden ist, hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Zeitraum vom 4. bis 15. Dezember 2017 bundesweit 7500 Personen befragt. In jedem Bundesland waren es 500 Wahlberechtigte. In Sachsen verzichtete das Institut auf eine Befragung, weil es dort gerade einen Wechsel an der Regierungsspitze gegeben hatte.

Platz eins belegt Winfried Kretschmann

Am beliebtesten ist demnach Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen. 76 Prozent finden, er macht einen guten Job. Platz zwei belegt die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), dahinter liegt Stephan Weil (SPD) – mit dem niedersächsischen Landesvater sind 68 Prozent der Befragten zufrieden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Bürgermeister Sieling mit schlechten Zufriedenheitswerten konfrontiert wird: Bereits im Mai 2016 hat das Institut Infratest-Dimap im Auftrag des WESER-KURIER ermittelt, ob die Wähler mit Carsten Sieling einverstanden sind. Damals gaben 42 Prozent der Befragten an, zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeit des SPD-Politikers zu sein. Weniger oder gar nicht zufrieden waren laut Umfrage 28 Prozent. Damit war Sieling zu diesem Zeitpunkt der unbeliebteste Ministerpräsident in Deutschland. Bei der aktuellen Umfrage steht Sieling zwar nicht auf dem letzten Platz, doch die Zustimmungswerte sind demnach geringer als vor fast zwei Jahren.

Der Bremer Senat macht den harten Sparkurs für das Ergebnis der Umfrage verantwortlich. „Das hat sicher bei vielen Menschen für Unzufriedenheit und Ärger gesorgt und das landet natürlich direkt beim Bürgermeister“, sagt der Sprecher des Senats, André Städler. Der Senat arbeite an den notwendigen Verbesserungen mit Hochdruck und habe zusätzliche finanzielle Mittel bereitgestellt. „Dies wird sich sicherlich auch in der Zufriedenheit der Menschen niederschlagen“, so Städler. Fest steht nach seinen Angaben: Der Bürgermeister ist mit den Umfrageergebnissen nicht zufrieden.

Thomas Röwekamp, CDU-Fraktionsvorsitzender in Bremen, überrascht das Ergebnis dagegen nicht. Die Umfrage spiegele das wider, was man überall in der Stadt spüre. „Weil er einen Politikwechsel versprochen hatte, waren die Erwartungen der Menschen, die Carsten Sieling gewählt haben, hoch – auf diesen Politikwechsel warten sie bis heute.“ Der Bürgermeister müsse seine Rolle als Regierungschef wahrnehmen und die derzeitigen Zustände nicht nur moderieren, sondern selbst Impulse geben. „Bezahlbaren Wohnraum, bessere Bildung, Wirtschaftswachstum, Beschäftigung – er muss all die Dinge, die er angekündigt hat, umsetzen“, so Röwekamp.

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Ähnlich sieht es die Fraktionsvorsitzende der FDP, Lencke Steiner. „Ich kann die Unzufriedenheit der Menschen verstehen. Carsten Sieling ist als Hoffnungsträger gestartet und nun nicht mehr als ein politischer Sachverwalter“, sagt Steiner. Viel zu oft sei er nur stiller Beobachter. Dabei sei er grundsätzlich sympathisch. „Das allein reicht aber nicht aus. Unter Bürgermeister Sieling bleibt Bremen hinter seinen Möglichkeiten“, bedauert die Liberale.

Auch für die Bremer Linke ist das Resultat der Umfrage wenig verwunderlich. Die Fraktionsvorsitzende Kristina Vogt glaubt nicht, dass die Menschen in Bremen Sieling als Landesvater wahrnehmen. „Er kommt nicht gut an in der Bevölkerung“, sagt Vogt. Teilweise könne er nichts für, habe er doch viele Baustellen von der rot-grünen Politik geerbt. „Trotzdem steht er in der Verantwortung, die politischen Probleme zu lösen. Aber das trauen ihm die Leute nicht zu“, so Vogt. Viele würden ihn als „kleinen Jungen ohne Ausstrahlung“ wahrnehmen.

Beliebt durch Landesvaterimage

Der Bremer Politikwissenschaftler Lothar Probst verweist im Hinblick auf die Umfrage auf den Amtsbonus, den ein Politiker seiner Partei bescheren könne – sofern er beliebt ist. „Besonders beliebt sind die Ministerpräsidenten, in deren Führungs- und Regierungsstilen sich ein ‚Landesvaterimage‘ herausbildet“, sagt er. Dies müsse keinesfalls altväterlich, sondern könne auch „das Image eines Machers“ sein. „Es gibt verschiedene Wege diese Rolle einzunehmen“, sagt Probst. „Aus meiner Beobachtung ist es Carsten Sieling am wenigsten gelungen, als Landesvater wahrgenommen zu werden.

Er hat es nicht geschafft, sich lagerübergreifend, jenseits seiner eigenen Partei, als jemand zu präsentieren, der auch mal die Interessen der eigenen Partei zurückstellt“, so Probst. Das erkläre auch, warum jemand wie Kretschmann so beliebt ist. „Eigentlich hat er keine Chance, weil er aus einer kleinen Partei kommt. Doch seine Ausstrahlung geht weit über das Image der Partei hinaus“.

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