Islamabad Brisante Bitte: Saudis wollen im Jemen-Konflikt Hilfe von Pakistan

Islamabad. „Das ist nicht unser Krieg”, wetterte Shireen Mazari: Die pakistanische Oppositionspolitikerin war nur eine von vielen kritischen Stimmen im pakistanischen Parlament, die vor einem militärischen Engagement im gut 2500 Kilometer entfernten Jemen warnten. „Wir sollten von unseren Fehlern der Vergangenheit lernen und neutral bleiben“, erklärte Mazari in Anspielung auf den Afghanistan-Krieg der NATO, in dem Pakistan sich nur widerwillig auf die Seite des Westens schlug – und dies mit einem Terrorkrieg im eigenen Land bezahlte.
10.04.2015, 00:00
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Von Agnes Tandler

„Das ist nicht unser Krieg”, wetterte Shireen Mazari: Die pakistanische Oppositionspolitikerin war nur eine von vielen kritischen Stimmen im pakistanischen Parlament, die vor einem militärischen Engagement im gut 2500 Kilometer entfernten Jemen warnten. „Wir sollten von unseren Fehlern der Vergangenheit lernen und neutral bleiben“, erklärte Mazari in Anspielung auf den Afghanistan-Krieg der NATO, in dem Pakistan sich nur widerwillig auf die Seite des Westens schlug – und dies mit einem Terrorkrieg im eigenen Land bezahlte. Nun verlangt Saudi-Arabien, ein Langzeitverbündeter, einen ähnlich brisanten Hilfsakt: der neue Monarch in Riad will, dass Pakistan Saudi-Arabiens Militärintervention im Jemen unterstützt – mit Kriegsschiffen, Kampfflugzeugen und vielleicht sogar Bodentruppen. Doch in Islamabad wächst die Sorge vor den Konsequenzen einer neuen Militär-Allianz.

Denn Jemen ist ein ähnlich politisch-religiöses Minenfeld wie Afghanistan: Saudi-Arabien unterstützt dort das radikal-islamische Terrornetzwerk Al-Kaida, das die schiitischen Huthi-Rebellen bekämpft, die wiederum Verbindungen zum Iran pflegen. Ein allzu enger Schulterschluss Islamabads mit Riad im Krieg um die Vorherrschaft im Jemen käme einer gefährlichen Positionierung im jahrhundertealten Konflikt zwischen der sunnitischen und der schiitischen Strömung des Islam gleich. Denn der Nachbar im Westen ist der mehrheitlich schiitische Iran. Pakistan selbst ist mehrheitlich sunnitisch, doch die Schiiten stellen die größte religiöse Minderheit – je nach Schätzung zwischen fünf und 20 Prozent der Bevölkerung. In den letzten Jahren häufen sich Anschläge auf Schiiten in Pakistan, die von radikal-sunnitischen Terrorgruppen verübt werden.

Angesichts der brisanten Lage steht Pakistans Hauptstadt Islamabad derzeit hoch im Kurs bei ausländischen Diplomaten, Generälen und Staatsoberhäuptern: Am Mittwoch war Irans Außenminister Javid Zarif zur Stelle, um Pakistans Premierminister Nawaz Sharif zu überzeugen, sein Land aus dem hochexplosiven Konflikt im Jemen herauszuhalten. Doch die reichen Golfstaaten locken mit Geld: Das Wüstenemirat Katar soll Pakistan einen neuen Gas-Deal im Werte von 22 Milliarden US-Dollar offeriert haben. Katars König, Sheikh Tamim Bin Hamad Al-Thani, besuchte Ende März Islamabad. Auch Katar unterstützt Saudi-Arabien bei seinem Jemen-Angriff.

Sharif hat sich bislang sehr bedeckt gehalten, wie genau die militärische Unterstützung für Saudi-Arabien aussehen soll. Der Regierungschef pflegt intensive Beziehungen zum saudischen Königshaus, das ihn während seines fast zehnjährigen politischen Exils als Gast beherbergte. Pakistans enge Freundschaft mit Saudi-Arabien besteht seit Jahrzehnten: Islamabad und Riad koordinierten den Krieg der Mudjahedin gegen die Sowjetunion in Afghanistan in den 1980er-Jahren. Pakistan lieferte Waffen, Saudi-Arabien und die USA zahlten dafür. Im 1. Golfkrieg schickte Pakistan Truppen nach Saudi-Arabien, um das Land vor einer irakischen Invasion zu schützen. Als Gegenzug lieferte Riad Öl an Pakistan, als 1999 gegen das Land Sanktionen wegen seines Nuklear-Waffenprogramms verhängt wurden.

Er wolle Saudi-Arabiens „territoriale Integrität” verteidigen, erklärte Sharif vage. Pakistans Wirtschaft hängt am Tropf der Golfstaaten – vor allem Saudi-Arabiens. Sharif befindet sich daher auf dünnem Eis: Er kann schwerlich Riads Bitte ablehnen, doch er muss auch innenpolitisch taktisch klug vorgehen, weil ein Militärabenteuer im Jemen auf breite Ablehnung stößt.

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