Initiative Tanklager Farge fordert Versiegelung von Brunnen / Umweltsenator kommt zur Beiratssitzung Bürger richten sich auf langen Kampf ein

Die Tanklager-Initiative lässt nicht nach. Beim monatlichen Treffen haben die Bürger ein Behördengutachten bewerten lassen und kommen zu dem Schluss: Die Umweltbehörde sollte einige Gartenbrunnen in den Straßen Am Depot und Am Schützenplatz versiegeln lassen.
04.10.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Volker Kölling

Die Tanklager-Initiative lässt nicht nach. Beim monatlichen Treffen haben die Bürger ein Behördengutachten bewerten lassen und kommen zu dem Schluss: Die Umweltbehörde sollte einige Gartenbrunnen in den Straßen Am Depot und Am Schützenplatz versiegeln lassen.

Die Anwohner des Tanklagers Farge und dessen Hafen sind nervös. Immer wieder haben sie in den vergangenen Wochen Bohrlafetten in ihrer Umgebung in Aktion beobachtet. Mit neuen Erdproben wird zurzeit der Grad der Grundwasserverseuchung erkundet. Am Dienstag kamen 70 Personen zur Versammlung der Tanklager-Initiative in die Cranzer Straße, um sich auf den neuesten Stand bringen zu lassen.

„Das Tanklager ist sicher. Das Grundwasser ist sicher. Und die Erde ist eine Scheibe.“ Die BI-Ingenieure Henning Leber und Olaf Rehnisch tragen nagelneue Sweatshirts mit dieser Aufschrift während ihrer Präsentationen im gut gefüllten Saal der Christusgemeinde. Die Versammlung wird per Videokamera mitgeschnitten. Am Anfang stehen Erläuterungen zu neuen Funktionen der Internetseite www.tanklager.de. Aus der Bürgerinitiative ist inzwischen ein Verein mit Satzung und Mitgliederwerbung geworden. Die Bremen-Norder richten sich darauf ein, dass ihr Kampf um die Stilllegung des alten Bundeswehrtanklagers und die Beseitigung der Grundwasserschäden länger dauern wird und ihnen die zuständigen Behörden in Bremen nicht wirklich zur Seite stehen.

Aus aktuellen Gutachten hat Henning Leber herausrecherchiert, wo denn nun tatsächlich die 119 Verdachtsflächen liegen, die in einem älteren Gutachten angesprochen, aber nicht veröffentlicht worden waren. Auf die Projektion eines Luftbilds legt er rote Sprengsel, die sich vom Hafen über den Verladebahnhof I und den Bahnhof II ziehen. Von den früher befürchteten Verdachtsflächen weit außerhalb des Tanklagergrundstücks ist hier nichts zu sehen. Grund zur Entwarnung ist das nicht, dafür kommen die Gutachter des Büros HPC laut Leber zu ziemlich brisanten Einschätzungen.

Demnach droht durch die Verseuchung des Bodens am Hafen eine direkte Verunreinigung der Weser. Nach Lebers Interpretation des Gutachterberichtes müsste Bremens Umweltsenator außerdem jegliche Grundwassernutzung untersagen in den Bereichen „Am Depot 19“, „Am Depot 20“ sowie in dem Straßenzug „Am Schützenplatz“ betreffend die Hausnummern 8 bis 22, 13 bis 23 und 29. Bisher seit dort lediglich von der Grundwassernutzung abgeraten worden. Leber: „Folgt Lohse den Gutachtern, dann müsste er die privaten Brunnen versiegeln lassen.“

Denn auch das ist eine Einschätzung aus dem HPC-Gutachten: Richtig gefährlich wird das Treibstoffgemisch im Grundwasser erst, wenn man es durch Maßnahmen aus der Tiefe an die Oberfläche holt. Aus Sicht der Bürger ist das eine zweischneidige Einschätzung, mit der vielleicht eben auch der an vielen Stellen nötige und teure Bodenaushub als Sanierungsweg verhindert werden soll. Andererseits sind die Gutachter in einem Punkt ganz auf der Linie der Tanklager-Initiative: Ein sogenannter weiterer Abstrom des belasteten Grundwassers von der Liegenschaft sei zu vermeiden, zitiert Leber die Gutachter, die dringend weiter Proben ziehen wollen. Henning Leber: „Aber wir sind jetzt bei der fünften Erkundung in 46 Jahren. Eine Sanierung ist die ganze Zeit verpennt worden.“

Eine Scheu vor einer Sanierung seitens der Bremer Behörden wollen die Bürger nicht mehr gelten lassen. Olaf Rehnisch verweist darauf, dass der Bund Gelder für derartige Fälle vorhalte: „Der Umweltsenator sollte das jetzt endlich auch politisch zu seiner Sache machen und da Druck auf den Bund aufbauen.“

Die Sendung „Nordwest Radio unterwegs“ will am 31. Oktober genau danach fragen. Drei Tage vorher am Montag, 28. Oktober, haben die Blumenthaler, Farger und Rekumer im Beirat Blumenthal im Schulzentrum Eggestedter Straße die Gelegenheit, Joachim Lohse direkt dazu zu hören. Der Umweltsenator ist zu dieser Sitzung eingeladen werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+