Mehrere Namen im Gespräch CDU: Frage nach Merkel-Nachfolger rückt näher

Seit 1999 heißt die CDU-Parteichefin Angela Merkel, seit 13 Jahren ist sie Bundeskanzlerin. Doch die Frage nach ihrer Nachfolge rückt für die Christdemokraten näher. Mehrere Namen schwirren umher.
12.02.2018, 22:07
Lesedauer: 5 Min
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CDU: Frage nach Merkel-Nachfolger rückt näher
Von Daniela Vates

Bei der SPD purzeln die Parteichefs fast im Jahrestakt, bei der CDU ist alles seit Jahren fixiert. Die Parteichefin heißt seit 1999 Angela Merkel. Seit nunmehr 13 Jahren ist die mittlerweile 63-Jährige auch Bundeskanzlerin. Und das will sie auch bleiben, auf jeden Fall weitere vier Jahre. Gerade hat sie sich nochmal festgelegt: Wenn die Regierungsbildung mit der SPD klappen sollte, werde sie die gesamte Wahlperiode im Amt bleiben, sagte Merkel im ZDF. Und weil sie es wichtig findet, als Regierungschefin auch das Sagen in ihrer Partei zu haben, wird es auch an der CDU-Spitze bis 2021 keine Veränderung geben.

Gleichzeitig nimmt in ihrer Partei das Drängen nach Erneuerung zu – und inzwischen wird auch Merkel mehr oder weniger direkt aufgefordert, sich über ihre Nachfolge Gedanken zu machen. Als einer der prominentesten äußerte sich nun der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch, der Merkel aufforderte, einen geordneten Übergang zu organisieren. Er selbst hat vor einigen Jahren mitten in einer Wahlperiode seine Ämter an Volker Bouffier übergeben. In der Hessen-CDU war zu diesem Zeitpunkt klar, dass man bei der nächsten Landtagswahl auf Koch verzichten wollte.

Merkel hat zu Beginn ihrer politischen Karriere einmal gesagt, sie wolle nicht „als halbtotes Wrack“ aus dem Politikerleben ausscheiden. Im Wahlkampf hat sie bekundet, dass sie sich als solches noch nicht fühlt. Und in der CDU waren auch die ganz froh über Merkels erneute Kandidatur, die einiges an ihr zu kritisieren haben: Es ersparte der Partei einen mühsamen Nachfolgekampf – und manch einem bleibt so Zeit, sich noch besser in Position zu bringen. Über die Jahre sind nun zwei CDU-Politiker, die – obwohl in etwa in Merkels Alter – stets als aussichtsreiche Nachfolger galten, aus dem Wettbewerb ausgeschieden. Der bisherige Innenminister Thomas de Maizière sitzt in einer großen Koalition nicht mehr am Kabinettstisch und rückt damit in die hinteren Reihen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen war zwar ein Publikumsmagnet, wurde aber in Teilen der Partei mit großem Misstrauen beobachtet. Ein großes Unterstützernetzwerk hat sie nicht. Nachgerückt sind andere. Ein Überblick über die möglichen Merkel-Erben.

Annegret Kramp-Karrenbauer

Die saarländische Ministerpräsidentin mit dem langen Namen gilt derzeit als aussichtsreichste Kandidatin für die Merkel-Nachfolge. Die burschikose 55-jährige hat nicht nur Regierungserfahrung. Sie hat im Saarland auch schon zwei Mal die CDU-Mehrheit verteidigt. Das erste Mal ging sie dafür ein hohes Risiko ein: Sie kündigte wegen Ärgers über die FDP überraschend eine Jamaika-Koalition auf – und gewann danach souverän die Wahl. Der Saarland-Erfolg läutete 2017 die Siegesserie der CDU ein, die über drei Landtagswahlen zur Bundestagswahl führte. Dass sie aus dem Saarland und damit aus einem der kleinsten und damit schwächsten CDU-Landesverbände kommt, muss kein Nachteil sein. Merkel kommt aus dem schwachen Landesverband Mecklenburg-Vorpommern.

Jens Spahn

Mit strategischem Geschick und Gespür für Lücken hat sich Jens Spahn in den vergangenen Jahren als Anti-Merkel in Position gebracht. Der Finanzstaatsekretär forderte mehr konservatives Profil der CDU, widersprach der Kanzlerin dezidiert in der Flüchtlingspolitik und drängelte sich gegen deren Willen ins Parteipräsidium. In Österreich steht ein 31-Jähriger an der Regierungsspitze, in Frankreich ist ein 40-Jähriger Präsident. Spahn ist 37, also gerade im richtigen Alter, wie es scheint. Spahn wolle zu viel auf einmal und sei auch in seinem mächtigen Heimatverband NRW umstritten, heißt es in der CDU. Und auch seine Unterstützer aus Junger Union und Wirtschaftsflügel befinden: „Der braucht noch ein bisschen.“ Das Ende der Wahlperiode könnte allerdings durchaus dieses „Bisschen“ voll machen.

Armin Laschet

Als Chef der NRW-CDU hat Armin Laschet in der Parteilogik ein quasi natürliches Zugriffsrecht auf den Vorsitz der Bundespartei: Schließlich hat der 56-Jährige den größten Landesverband unter sich und damit die meisten Delegierten auf einem Bundesparteitag, wo Parteivorsitzende ja gekürt werden. Eine Landtagswahl gewonnen hat Laschet auch noch – und weil NRW so lange SPD-regiert war, gilt das fast schon doppelt. Allerdings: Vorsitzende und Kanzlerkandidaten der CDU kamen zwar auch mal, aber eben nicht nur aus NRW. Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und zuletzt eben Mecklenburg-Vorpommern waren auch vertreten. Der Truppe um Spahn dürfte ein weiterer Aufstieg Laschets nicht recht sein: Laschet gilt als Vertreter des liberalen Parteiflügels.

Julia Klöckner

Die 45-Jährige war nach außen das Gesicht der CDU in den Koalitionsverhandlungen. Viele der Fernsehbilder von den in Parteizentralen eilenden Politikern zeigten die unverdrossen fröhlich lächelnde Vize-Parteichefin, die als eine der wenigen auch mal für einen zuversichtlich-unverfänglichen Satz stehen blieb. Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz hat Klöckner als Spitzenkandidatin zwei Mal eine Niederlage kassiert – das schmälert ihre Aussichten. Für Ausgleich dürfte es sorgen, wenn die Theologin als Ministerin ins nächste Kabinett einrückt. Dann ist der Punkt Regierungserfahrung gemacht – da hat sie derzeit lediglich zwei Jahre als Staatssekretärin vorzuweisen. Zur Profilierung hat Klöckner in den vergangenen Jahren auf Symbolthemen wie das Burka-Verbot gesetzt.

Daniel Günther

Innerhalb eines Jahres stieg Daniel Günther vom Unbekannten zum Hoffnungsträger der CDU auf. Im laufenden Wahlkampf hatte Günther nach dem überraschenden Rückzug seines Vorgängers die Spitzenkandidatur in Schleswig-Holstein gewonnen – und knöpfte dann dem desaströs agierenden SPD-Amtsinhaber Torsten Albig das Amt des Regierungschefs ab. Da der 44-Jährige in Kiel eine Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen schmiedete, galt er vorübergehend als wertvoller Ratgeber und Vorbild für den Bund. Seine Meinung verkündet Günther weiter mit großer Unbekümmertheit, bei der er auch Distanz zum Berliner Politikbetrieb erkennen lässt – er dürfte zumindest in den nächsten paar Jahren kein Interesse an Berliner Ämtern haben, auch um seine Position zu festigen. Günter ist ein Vertreter einer liberalen CDU, seine Irritation über den CSU-Kampf gegen Merkel hat er deutlich gemacht.

Friedrich Merz

Seit Jahren geistert ein Name wie ein Heilsversprechen durch die CDU. Einen Friedrich Merz brauche die Partei, heißt es stoßseufzend, wenn mal wieder jemand mit Merkel unzufrieden ist. Der 62-Jährige steht für die Sehnsucht der Partei nach einer wahrnehmbaren Figur des Wirtschaftsflügels. Er hatte eine radikale Vereinfachung der Steuergesetzgebung gefordert, die sogenannte „Bierdeckel“-Reform, die aber als schwer realisierbar gilt. Dass Merkel nach der CDU-Wahlniederlage von 2002 als Parteichefin den Vorsitz der Unions-Bundestagsfraktion beanspruchte und ihn damit von dem Posten verdängte, verwand Merz nicht. Er zog sich aus der Politik zurück. Das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen bezeichnete er als „Demütigung“ der CDU. Selbst wenn Merz auf Rache sinnen sollte, seine Rückkehr wird in der Union als unwarscheinlich betrachtet.

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