Neustädter Hafen soll Wohnquartier für 15 000 Menschen werden – SPD und Grüne halten den Plan für abwegig CDU will neuen Bremer Stadtteil bauen

Bremen. Die CDU hat am Montag die Pläne für einen neuen Bremer Stadtteil vorgestellt. Das Wohngebiet mit rund 15 000 Einwohnern soll im Neustädter Hafen entstehen.
07.11.2017, 00:00
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CDU will neuen Bremer Stadtteil bauen
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Die CDU hat am Montag die Pläne für einen neuen Bremer Stadtteil vorgestellt. Das Wohngebiet mit rund 15 000 Einwohnern soll im Neustädter Hafen entstehen. Bislang gibt es auf der 100 Hektar großen Fläche ausschließlich Gewerbe. Die CDU will erreichen, dass Durchschnittsverdiener nicht aus Bremen fortziehen, um sich im Umland niederzulassen. Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) lehnt die Pläne ab: „Sie bedrohen die Existenz zahlreicher Unternehmen in der Hafenwirtschaft und werden die Vernichtung vieler hundert Arbeitsplätze zur Folge haben.”

„Bisher ist in Bremen vergleichsweise viel Wohnraum im hochpreisigen Segment entstanden, in letzter Zeit auch im Bereich der Sozialwohnungen“, sagte CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp. Familien und der Mittelstand seien vergessen worden – die Schicht in der Gesellschaft, auf die es maßgeblich ankomme. „Sie bringt Geld mit, in Form von Steuern und Konsum“, so Röwekamp. Fast die Hälfte der Bremer Arbeitnehmer pendele jeden Tag. Ihre Steuern zahlten sie am Wohnort, in Niedersachsen.

Die CDU strebt für den Neustädter Hafen Wohnraum an, der erschwinglich bleiben müsse. Röwekamp nannte Preisbeispiele: 300 000 Euro für ein Reihenmittelhaus, 420 000 Euro für eine Doppelhaushälfte und 530 000 Euro für ein freistehendes Haus. „Um aus dem Neustädter Hafen keine Freiluftkapitalanlage zu machen, werden die Bauflächen von der Stadt erschlossen und vermarktet“, heißt es in dem Konzept. Käufer bekämen eine Bauverpflichtung, Bauträger würden außen vor gehalten. „Eine Beteiligung kommunaler Wohnungsbaugesellschaften wie der Gewoba begrüßen wir.“

Das Gewerbe will die CDU umsiedeln. „Natürlich wollen wir niemanden vertreiben“, betonte Röwekamp, „wir werden stattdessen Alternativen aufzeigen.“ Zum einen seien die Umschlagszahlen im Neustädter Hafen ohnehin deutlich zurückgegangen. Das Gebiet erlebe einen Umbruch. Zum anderen könnten sich die Betriebe, die noch aktiv sind, problemlos verlagern. In Bremerhaven gebe es einen hochleistungsfähigen Überseehafen. Solche Unternehmen, die auf keinen Kajenanschluss angewiesen seien, könnten sich in den Gewerbegebieten entlang der Autobahnen neu entwickeln.

Von der SPD gab es am Montag postwendend Kritik an dem Vorstoß der oppositionellen CDU-Fraktion. „Illusionen und Tagträume von neuen Stadtteilen ersetzen keine seriöse Bau- oder Wirtschaftspolitik“, erklärte Dieter Reinken, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Auf die Reaktionen aus der Wirtschaft sei er gespannt, sie dürften nicht besonders positiv ausfallen. Elias Tsartilidis, der die Hafenpolitik der SPD vertritt, spricht von einem Angriff auf die Hafenwirtschaft: „Die Unternehmen im Neustädter Hafen sehen deutliches Entwicklungspotenzial, auch für Arbeitsplätze.“

Kopfschütteln bei den Grünen: „Die Pläne der CDU sind in hohem Maße abwegig“, sagte Robert Bücking, wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Die Grünen hätten sich erst vor Kurzem davon überzeugen können, dass im Neustädter Hafen richtig was los ist. „Kein vernünftiger Mensch würde das antasten.“ Hinzu komme, dass das Gebiet anders als die Überseestadt viel zu weit von der Innenstadt entfernt liege und über keinen Hochwasserschutz verfüge.

Die Handelskammer lehnt Wohnbebauung im Neustädter Hafen kategorisch ab. Bremen brauche mehr Gewerbeflächen und nicht weniger, teilte die Kammer mit. Der Hafen sei wegen seiner Lage am seeschifftiefen Wasser zudem besonders wertvoll und stehe vor einer guten Entwicklung. Gleiches betont die Wirtschaftsbehörde. „Das ist Bremens einziger schwerlastfähiger Hafen”, so ein Sprecher der Behörde. Weitere Vorteile seien die Nähe zum Güterverkehrszentrum und zur A 281 nach ihrer Fertigstellung.

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