Umweltschutz

China mausert sich zum Vorreiter im Kampf gegen die Erderwärmung

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat den Umweltschutz inzwischen zur Chefsache erklärt. Dabei hat die chinesische Führung dieses Thema noch gar nicht lange auf dem Schirm.
12.11.2017, 21:30
Lesedauer: 3 Min
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China mausert sich zum Vorreiter im Kampf gegen die Erderwärmung
Von Felix Lee
China mausert sich zum Vorreiter im Kampf gegen die Erderwärmung

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping

dpa

Einen solchen Winter wie im vergangenen Jahr will die chinesische Führung in Peking nicht noch einmal erleben. Seit Jahren ist sie darum bemüht, die Luftqualität in der smoggeplagten Hauptstadt zu verbessern. Sie ließ Garküchen im Stadtgebiet verbieten, hat marode Kohlekraftwerke durch Anlagen mit moderner Technik austauschen lassen.

Ein bisschen besser wurde die Luft in der chinesischen Hauptstadt auch. Doch dann kam der eisige Dezember. Die Menschen drehten ihre Heizungen auf, die Kraftwerke liefen auf Hochtouren. Peking versank den gesamten Dezember über unter einer dicken Smogdecke.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat den Umweltschutz inzwischen zur Chefsache erklärt. „Wir müssen die strengsten Umweltschutzmaßnahmen umsetzen“, erklärte Xi Jinping Mitte Oktober zum Auftakt des 19. Parteikongresses, dem politischen Großereignis, das nur alle fünf Jahre stattfindet.

Durchbruch beim Pariser Gipfel 2015

Und weil seine Worte Teil der neuen Parteiverfassung wurden, genießt somit auch der Klima- und Umweltschutz in China künftig eine Art Verfassungsstatus. „Wir wollen ein schönes Land aufbauen und zur ‚globalen ökologischen Sicherheit‘ beitragen“, verkündete Xi. Dabei hat die chinesische Führung dieses Thema noch gar nicht lange auf dem Schirm.

Als 2012 die US-Botschaft in Peking begann, auf ihrem Dach die Luftwerte zu messen und die Daten ins Netz stellte, blockierten die chinesischen Behörden dies noch. Sie warfen den USA vor, sich in die „inneren Angelegenheiten“ einzumischen. Der 15. Weltklimagipfel 2009 in Kopenhagen scheiterte nicht zuletzt daran, dass China, der größte Emittent von klimaschädlichem CO2 ist und sich weigerte, sich auf verbindliche Emissionsziele festlegen zu lassen.

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Der Durchbruch kam beim Pariser Gipfel 2015. Nun, beim derzeitigen 24. Klimagipfel in Bonn, sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: „Wir können uns auf China verlassen.“ Denn das Land werde aus ureigenem Interesse vorangehen. Die scheidende Umweltministerin hat in ihrer Amtszeit mehrfach China besucht.

Und sie behält recht: Nach Angaben der Weltbank gehört das Perlflussdelta in Südchina zu einer der Regionen der Welt, die am meisten mit den Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen haben. Die Weltbank vermutet, dass China schon jetzt rund 1,4 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung einbüßt, um die schweren Schäden von Tropenstürmen, Überschwemmungen, Erdrutschen, Dürren und anderen Katastrophen zu beheben, die unmittelbar auf den Klimawandel zurückzuführen sind.

Verbindliches Emissionsziel

Kein Wunder, dass es die chinesische Regierung ernst meint mit dem Klimaschutz. Im Frühjahr dieses Jahres hatte sie für 28 Städte einen Plan vorgelegt, der vorsieht, den Ausstoß von Kohleemissionen allein für 2017 um rund sieben Prozent zu senken. Zugleich investiert China wie kein anderes Land in Ökostrom. Anfang des Jahres kündigte die chinesische Regierung an, bis 2020 umgerechnet rund 320 Milliarden Euro für erneuerbare Energien auszugeben.

Gemessen an der Leistung der Anlagen entstehen nach jüngsten Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) heute etwa 40 Prozent aller weltweit neuen Öko-Strom-Kraftwerke in China. Allein 2017 kamen so viele neue Solaranlagen dazu, wie der einstige Vorreiter Deutschland insgesamt gebaut hat. In Paris hatte China erstmals ein verbindliches Emissionsziel zugesagt und versprochen, den CO2-Ausstoß spätestens ab 2030 zu senken.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass China bis 2020 die Kohleemissionen um ein Fünftel senken und damit sein Ziel um ein ganzes Jahrzehnt erreichen wird. Diese Aussichten sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Volksrepublik derzeit nach wie vor der Klimasünder Nummer eins ist. Weltweit gesehen wird immer noch rund die Hälfte aller Kohle in China verbrannt. Sarah Ladislaw, Energieexpertin beim Zentrum für strategische und internationale Studien in Washington, sagt denn auch: „Beim Kampf gegen den Klimawandel ist China sowohl Führer als auch Nachzügler.“

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