Der Schutz der Stille am Karfreitag im Wandel der Zeit / Von Ralf Michel Christdemokratische Fürsorge

Tarifabschluss im öffentlichen Dienst, Drogenpolitik in Deutschland, Vegesacker Wohnturm, Runder Tisch im Viertel – dass sich die Bremer CDU dieser Tage quasi im Minutentakt via Pressemitteilung zu Wort meldet, ist politischer Alltag. Die Wahl zur Bürgerschaft steht unmittelbar bevor – da muss Flagge gezeigt werden, wo es eben geht.
02.04.2015, 00:00
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Tarifabschluss im öffentlichen Dienst, Drogenpolitik in Deutschland, Vegesacker Wohnturm, Runder Tisch im Viertel – dass sich die Bremer CDU dieser Tage quasi im Minutentakt via Pressemitteilung zu Wort meldet, ist politischer Alltag. Die Wahl zur Bürgerschaft steht unmittelbar bevor – da muss Flagge gezeigt werden, wo es eben geht. Gerade als Opposition mit eher trüben Aussichten auf eine künftige Regierungsbeteiligung.

Aber wundern kann man sich schon über das eine oder andere, was die Themenschmiede der Christdemokraten derzeit zutage fördert. Wenn zum Beispiel der CDU-Kreisvorsitzende Jens Eckhoff den Senator für Inneres auffordert, an diesem Karfreitag den Schaustellern auf der Osterwiese per Sondergenehmigung die Möglichkeit zu geben, ihre Geschäfte ab 18 Uhr zu öffnen. Als Ausgleich für die entgangenen Einnahmen durch die sturmbedingte Schließung der Osterwiese in den vergangenen Tagen. Und um „den Menschen“ die Möglichkeit eines Besuches auf der Osterwiese zu bieten.

Sehr fürsorglich gedacht, und deshalb muss an dieser Stelle nicht weiter darüber philosophiert werden, ob der Besuch der Menschen zwecks Aufbesserung der Kassenlage sturmgeplagter Schausteller nicht auch an den anderen Tagen bis zum Ende der Osterwiese am 12. April zu bewerkstelligen wäre.

Aber an die hitzige Debatte anlässlich der Lockerung des Tanzverbotes am Karfreitag und an anderen Feiertagen soll hier dann doch erinnert werden. Diese Lockerung wurde im Februar 2013 beschlossen. Mit den Stimmen von Rot-Grün und der Linken. Die CDU dagegen schimpfte, was das Zeug hergab. Ihre Partei stehe ohne Wenn und Aber zum Schutz der stillen Feiertage, sagte damals eine Rednerin namens Elisabeth Motschmann, diesmal bekanntlich Spitzenkandidatin ihrer Partei. Über 50 Prozent der Bremer gehörten einer Kirche an, da geböten es Respekt und Solidarität mit der Mehrheit in der Stadt, diese Tage für Stille und Besinnung zu reservieren. „Stille ist ein hohes Gut“, betonte Motschmann seinerzeit.

Dass dies für Karfreitag auf der Osterwiese nun nicht mehr gelten soll, dürfte weniger an den schwindenden Mitgliedszahlen der bremischen Kirchen liegen, sondern vielmehr an einer schlichten kalendarischen Konstellation. Der Februar des Jahres 2013 war nun einmal weit weit weg von der Wahl zur Bürgerschaft am 10. Mai 2015. Und damit auch von der Hochphase der christdemokratischen Fürsorge für alles und jedermann.

Das hingegen ist eine schlechte Nachricht für alle Eisdielen Bremens. Wenn sie im Juli und August wieder einmal über den nasskalten Sommer und leere Kassen klagen sollten, wird ihnen niemand zur Seite stehen. Nicht einmal die CDU mit einer Presseerklärung, in der sie alle Bremer zu zwei Solidarisierungskugeln Erdbeer-Vanille auffordert.

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