Ehemalige US-Außenministerin veröffentlicht Biografie / Vermutlich 2016 Präsidentschaftskandidatur Clintons schwere Entscheidungen

Washington. Vielleicht ist es dieses Bild aus dem Lagezentrum des Weißen Hauses, das als Erstes in Erinnerung bleibt aus der Ära der Außenministerin Hillary Clinton. Erschrocken, so wirkt es jedenfalls, fährt sie sich mit der Hand über den Mund.
10.06.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Frank Herrmann

Vielleicht ist es dieses Bild aus dem Lagezentrum des Weißen Hauses, das als Erstes in Erinnerung bleibt aus der Ära der Außenministerin Hillary Clinton. Erschrocken, so wirkt es jedenfalls, fährt sie sich mit der Hand über den Mund. Das Foto verrät, unter welcher Nervenanspannung sie steht, während die Navy Seals in Abbottabad das Anwesen Osama Bin Ladens stürmen. Sie hätte nichts anderes tun können, als auf Nachrichten des Teams vor Ort zu warten, so Clinton.

Unter dem Titel „Hard Choices“ („Schwere Entscheidungen“) schildert Clinton, wie die amerikanische Außenpolitik nach den Exzessen George W. Bushs, nach den großen Reden in der Anfangszeit Barack Obamas kleinere Brötchen zu backen begann. Der Blick auf Obama, den Senkrechtstarter, der sie im Vorwahlduell der Demokraten besiegte und sie dann im viel beschworenen Team der Rivalen zu seiner Chefdiplomatin machte, ist kritisch geblieben. Dass die 66-Jährige manche Differenzen mit dem Präsidenten jetzt öffentlich macht, entspringt kühlem Kalkül.

Es wäre eine faustdicke Überraschung, würde sie 2016 nicht zum Rennen ums Oval Office antreten. Sie will ihr Profil schärfen und bringt den einen oder anderen Seitenhieb gegen den Amtsinhaber an. Es geht darum, sich hier und da abzusetzen von einem Präsidenten, dem seine Kritiker vorwerfen, er führe allzu vorsichtig „von hinten“, statt, wie es den USA zustehe, die erste Geige im Weltkonzert zu spielen. Einer Präsidentin Clinton, steht zwischen den Zeilen, könnte niemand nachsagen, ein Weichei zu sein. Blauäugig, naiv wäre sie bestimmt nicht.

Bei Wladimir Putin etwa habe sie sich nie falsche Hoffnungen gemacht. „Harte Männer stellen einen vor harte Entscheidungen“, sagt sie über den russischen Präsidenten, den sie als dünnhäutigen, empfindlich auf Kritik reagierenden Autokraten charakterisiert. Bereits 2012, schreibt Clinton, habe sie Obama in einem Memorandum nahegelegt, bei einem Treffen mit dem Kremlchef hart zu verhandeln, denn Putin verteile keine Geschenke. Kurz bevor sie das State Department verließ, warnte sie vor „schwierigen Tagen“, auf die Washington im Verhältnis zu Moskau zusteuere. „Nicht jeder im Weißen Haus hat meine relativ harte Analyse geteilt“, fasst sie zusammen.

Im Syrienkonflikt habe sie die Meinung vertreten, dass eine Abstimmung mit nahöstlichen Partnern möglich sei. Dafür müsse Amerika die Moderaten unter den syrischen Rebellen bewaffnen und ausbilden. Doch das Oval Office zögerte. „Niemand mag es, wenn er eine Debatte verliert, mich eingeschlossen. Aber das war die Entscheidung des Präsidenten, und seine Überlegungen habe ich akzeptiert.“

Als die Proteste des Arabischen Frühlings von Tunis nach Kairo rollten, war es Clinton, die zu den Skeptikern zählte. Folgt man ihrer Darstellung, warnte sie davor, sich zu eindeutig auf die Seite der Demonstranten auf dem Tahrir-Platz zu stellen. Einige von Obamas Beratern hätten sich mitreißen lassen. Sie habe gemahnt, dass das Land im Falle des Sturzes Mubaraks vielleicht in 25 Jahren zu einer Erfolgsgeschichte werde, die Phase bis dahin aber wacklig zu werden drohe.

Dann ist da noch das Kapitel Irak, ein Kapitel, das 2008 wesentlich dazu beitrug, dass der Außenseiter Obama die Favoritin Clinton vom Kandidatenthron stürzen konnte. Er punktete damit, dass er einst auf einer Kundgebung in Chicago von einem „dummen Krieg“ sprach, bevor George W. Bush den Marschbefehl gab. Sie dagegen stimmte im Senat dafür, Bush grünes Licht für eine Truppenentsendung zu geben. Viele Senatoren wünschten sich im Nachhinein, sie hätten anders votiert, notiert Clinton. „Ich war eine von ihnen.“

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