Wegen Corona-Krise

Misereor drohen Millionen-Einbußen für Hilfsprojekte

Am Sonntag ist die Fasten-Kollekte für Misereor. Doch da wegen des Coronavirus Gottesdienste nicht stattfinden, bleiben die Klingelbeutel leer.
27.03.2020, 19:56
Lesedauer: 2 Min
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Von Georg Ismar

Es war früher immer ein Ritual kurz vor Ostern, der Vater steckt zu Hause einige Scheine in die Spendentüte aus Papier und legt sie dann im Gottesdienst feierlich in den herumgereichten Kollektekorb. Für das bischöfliche Hilfswerk der katholischen Kirche, Misereor, ist die Fastenzeit die wichtigste Spendenaktion des Jahres, vergangenes Jahr kamen knapp zehn Millionen Euro zusammen. Doch wegen der Virusausbreitung darf es derzeit keine Gottesdienste geben, somit fällt auch die Fastenkollekte in den Kirchen aus. Damit entfällt die Möglichkeit, an diesem Sonntag, dem 5. Fastensonntag, in Gottesdiensten wie geplant im Rahmen der diesjährigen Fastenkollekte für Misereor zu spenden.

Die Deutsche Bischofskonferenz appelliert daher, Geld zu überweisen oder die Spendentüten in der Pfarrei abzugeben. Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger, der auch für Misereor zuständige Bischof, mahnt, in der aktuellen Corona-Krise dürften die unter Krieg, Armut und Hunger leidenden Menschen weltweit nicht vergessen werden. Die Bischöfe mahnen die Gläubigen trotz aller eigenen Corona-Sorgen, die vom Krieg in Syrien traumatisierten und geflüchteten Menschen nicht im Stich zu lassen. Gerade in der Krisenregion des Nahen Ostens könnte Corona noch zu verheerenden Folgen führen, betont Misereor-Vorstand Martin Bröckelmann-Simon. Daneben gibt es viele Projekte in Afrika und Lateinamerika. Zum Beispiel werden in Kolumbien Friedensprojekte unterstützt, die es vertriebenen Familien nach dem Ende des Guerillakrieges und der Beseitigung von Landminen ermöglichten, in ihre Dörfer zurückzukehren.

In vielen Bistümern werden die Gottesdienste nun per Livestream im Internet übertragen – und es soll auf den in diesem Jahr eher digitalen Klingelbeutel hingewiesen werden. Doch intern wird befürchtet, dass die Spenden um mindestens die Hälfte auf unter fünf Millionen Euro einbrechen könnten. Zumal der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) auch nicht wie bisher vielerorts nach den Gottesdiensten „Solibrote“ im Rahmen der Spendenaktion verkaufen kann. Nun werden die Brote in ausgewählten Bäckereien mit einem Spendenanteil von 50 Cent verkauft. Und in einer Gemeinde haben junge Leute laut Misereor Spendenflyer in die Briefkästen geworfen – und dazu ein Blatt Klopapier, das Motto: „Misereor geht uns nicht am Ar*** vorbei“.

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