Akzeptanz in Nordschweden

„Vorgaben werden auch ohne Strafen befolgt“

Gegen den schwedischen Weg hat Anders Lindberg nichts einzuwenden. „Ich vertraue den Behörden", sagt der Pressesprecher des Bergwerkbetreibers in Kiruba.
26.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Lisa Arnold
„Vorgaben werden auch ohne Strafen befolgt“

Die Arbeitersiedlung vor der Eisenerzmine von Kiruna im schwedischen Lappland.

IMAGO

Rund 200 Kilometer nördlich des Polarkreises und 2200 Kilometer nördlich von Bremen liegt Kiruna. Dort befindet sich das weltbekannte Bergwerk, wo seit dem Jahr 1900 Eisenerz abgebaut wird. Laut Anders Lindberg, dem Pressesprecher der betreibenden Gesellschaft LKAB, hat sich durch das Coronavirus im Arbeitsalltag unter Tage weniger verändert, als man vielleicht erwarten würde. „Man stellt sich ein Bergwerk als engen Arbeitsplatz vor, aber so eine Grube hat Platz wie eine ganze Stadt. Durch die Eisenerzmine von Kiruna ziehen sich Straßen von insgesamt 400 Kilometern Länge“, erklärt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

„Aber natürlich haben wir die Arbeitsbedingungen für die 700 Mitarbeiter unter Tage angepasst, um die Empfehlungen der Regierung zu befolgen und Abstand zu gewährleisten: Die Pausen- und Schichtzeiten wurden entzerrt, sodass sich in den Gemeinschafts- und Umkleideräumen weniger Kollegen begegnen. In den Fahrzeugen soll immer nur einer sitzen, und auch die – sonst sehr häufigen – Fahrten zwischen Kiruna und den anderen beiden Bergwerken bei Gällivare und Svappavaara wurden größtenteils eingestellt.“

Wirtschaftlich erfolgreiches Jahr

Im Gegensatz zu Unternehmen in anderen Branchen blickt LKAB auf ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr 2020 zurück. „Wir mussten zum Glück nicht schließen, und die Preise für Eisenerz und Stahl blieben konstant hoch. Das war aber nicht selbstverständlich. Wenn die Wirtschaft in anderen Bereichen einbricht, kann das durchaus auch den Bergbau und die Metallverarbeitung betreffen“, sagt Lindberg.

Ansonsten sieht Lindberg die Grube, zusammen mit den Werkstätten und Büros, als einen gewöhnlichen industriellen Arbeitsplatz. „Der größere Unterschied im schwedischen Corona-Alltag besteht zwischen den Städten und den ländlichen Gebieten. Hier im dünn besiedelten Norden hat fast jeder ein Auto und kann sich seine Wege so einteilen, dass er wenigen Leuten begegnet. Außerdem ist man schnell in der Natur: Nach einem zehnminütigen Spaziergang mit meinem Hund, bin ich auf einem Hügel und sehe das norwegische Fjell. Das macht die ganze Sache erträglich. Nur die sozialen Kontakte, das Beisammensein, das fehlt mir.“

Bei Bedarf die Richtlinien angepasst

Gegen den schwedischen Weg durch die Corona-Krise hat er nichts einzuwenden. „Ich vertraue den Behörden. Sie sind von wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Navigieren einer Pandemie ausgegangen und haben sich an Pläne gehalten, die vor dem Ausbruch erstellt wurden. Bei Bedarf hat man die Richtlinien für die Bevölkerung angepasst.“ Lindberg findet, dass seit Corona-Ausbruch ein schiefes Bild von Schweden vermittelt wurde: „Ja, die meisten Maßnahmen bauen auf Freiwilligkeit statt auf harte Strafen, aber wie viele Unternehmen hat auch LKAB die Aufforderungen bis ins letzte Detail befolgt. Dass man in Schweden machen kann, was man will, das stimmt so nicht.“

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