Corona-Pandemie

Warum Schwangere in Deutschland nicht geimpft werden

Geht es nach dem Willen verschiedener Politiker, sollen vollständig Geimpfte bald Freiheitsrechte zurückerhalten. Doch was ist mit Menschen, die sich impfen lassen wollen, es aber noch nicht können oder dürfen?
30.04.2021, 12:25
Lesedauer: 4 Min
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Warum Schwangere in Deutschland nicht geimpft werden
Von Jan-Felix Jasch
Warum Schwangere in Deutschland nicht geimpft werden

Schwangeren wird in Deutschland eine Corona-Impfung bisher nicht empfohlen.

Caroline Seidel

Die Diskussion, ob Menschen, die gegen das Coronavirus geimpft worden sind, Freiheitsrechte zurückerhalten sollen, ist in vollem Gange. Und sie bleibt schwierig – auch aus verfassungsrechtlicher Sicht, immerhin ist noch nicht einmal jeder Dritte in Deutschland geimpft. Auch die Ministerpräsidenten konnten sich zuletzt nur auf kleine Erleichterungen einigen, der große Wurf blieb aus. Vollständig Geimpfte sollen etwa beim Einkaufen oder beim Friseurbesuch keinen negativen Corona-Tests mehr vorlegen müssen. Auch die Pflichtquarantäne nach der Einreise aus dem Ausland soll für sie dann wegfallen. Die Priorisierung beim Impfen solle „spätestens“ im Juni aufgehoben werden, dann sollen auch Betriebsärzte bei der Immunisierung der Bevölkerung mithelfen.

Das Ende der Priorisierung nach Alter, Beruf oder Vorerkrankung bedeute aber „nicht, dass dann jeder sofort geimpft werden kann“, fügte Bundeskanzlerin Angela Merkel hinzu. „Aber dann kann sich jeder um einen Impftermin bemühen, und die werden dann nach Maßgabe der Versorgung auch gegeben.“ Die Bundesregierung halte an ihrer Zusage fest, bis Ende des Sommers jedem Impfwilligen ein Impfangebot machen zu können.

Impfung für Schwangere bisher nicht empfohlen

Doch was ist mit Menschen, die sich gerne impfen lassen würden, es aus gesundheitlichen Gründen aber nicht tun sollen oder sogar dürfen? Zum Beispiel Schwangere haben ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe. Doch in Deutschland kommen sie bisher kaum zu einer Impfung. Dabei zeigt eine Studie, dass Nebenwirkungen kaum zu erwarten sind. In den USA und Großbritannien werden Schwangere bereits geimpft.

Der Professor für Geburtshilfe an der Universität Jena und Direktor der dortigen Frauenklinik, Ekkehard Schleußner, sagte gegenüber dem ARD-Magazin „Kontraste“: „Schwangere müssten, sofern sie es wollen, prioritär geimpft werden.“ Doch die Ständige Impfkommission (Stiko) hat bisher keine Empfehlung ausgesprochen. Auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts heißt es: „Zur Anwendung der COVID-19-Impfstoffe (mRNA-Impfstoffe oder Vektor-basierter Impfstoff) in der Schwangerschaft liegen aktuell keine Daten vor, daher empfiehlt die Stiko die generelle Impfung in der Schwangerschaft derzeit nicht.“ Auch zur Impfung in der Stillzeit liegen nur wenige Daten vor, heißt es weiter. Die Kommission hält es allerdings für unwahrscheinlich, dass eine Impfung ein Risiko für Mutter und Säugling darstellt.

Doch Schleußner erklärte gegenüber dem Deutschlandfunk, dass es mittlerweile sehr wohl Daten gebe. In den vergangenen Wochen seien mehrere Studien erschienen. Diese zeigten, dass eine Impfung „nicht zu vermehrten schwangerschaftsspezifischen Komplikationen“ führe. Auch ein erhöhtes Krankheits- oder Sterbe-Risiko der Schwangeren oder der Föten sei bisher nicht zu erkennen.

Im Gegensatz zu Deutschland wird in Israel Schwangeren empfohlen, sich impfen zu lassen. Der Gynäkologenverband des Landes schrieb, die Covid-19-Erkrankung könne während der Schwangerschaft Schaden anrichten, bei Schwangeren einen schwereren Krankheitsverlauf auslösen und Frühgeburten verursachen. Deshalb sei es wichtig, sich impfen zu lassen.

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Impfung für Kinder könnte bald kommen

Auch für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren ist bisher keine Impfung vorgesehen. Bislang ist der Einsatz des Impfstoffs von Biontech in den USA erst ab 16 Jahren zugelassen. Eine klinische Studie in der Altersgruppe von 12 bis 15 Jahren habe eine Wirksamkeit von 100 Prozent gezeigt, erklärten der US-Konzern Pfizer und das deutsche Unternehmen Biontech. Der Impfstoffhersteller und sein US-Partner Pfizer haben nach eigenen Angaben bei der europäischen Zulassungsbehörde EMA die Zulassung ihres Corona-Vakzins für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren beantragt. Laut einem Bericht der „Tagesschau“ ist auch der US-Hersteller Moderna in die klinischen Studien eingestiegen. Man rechne bis zum Sommer mit einem Ergebnis, hieß es. Ebenfalls bis zum Sommer rechneten das britisch-schwedische Unternehmen Astra-Zeneca und die Universität Oxford mit Ergebnissen.

Seit Anfang März erhalten Vorerkrankte eine verbindliche Einladung zur Corona-Impfung inklusive Anmeldungscode über ein Anschreiben ihrer Krankenkasse. Die Kassen können aus den Daten die Impfberechtigung feststellen. Zuvor hatte die Impfverordnung zwingend vorgesehen, dass die Betroffenen selber aktiv werden und sich ein ärztliches Attest besorgen müssen.

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Vorbehalte unter Allergikern

Auch unter Allergikern gibt es teilweise Vorbehalte gegenüber einer Corona-Impfung. In seltenen Fällen können Vakzine allergische Reaktionen hervorrufen. Genaue Daten zur Häufigkeit solcher Reaktionen nach der Schutzimpfung sind aber aktuell noch nicht verfügbar. Das Auftreten ist nicht ausschließlich auf die Corona-Impfstoffe zurückzuführen. Allergische Reaktionen können in Zusammenhang mit Medikamenten immer auftreten. Allzu große Sorgen müssen sich Allergiker aber nicht machen, sagt auch das Paul-Ehrlich-Institut.

Betroffene sollten das Gespräch mit ihren Allergologen suchen, um im Zweifel auf einen geeigneteren Impfstoff auszuweichen, wenn möglich. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung müssen Impfzentren und die mobilen Impfteams mit einer Notfallausstattung ausgerüstet sein, um im Ernstfall anaphylaktische Reaktionen, die schwerste Form der allergischen Reaktion, schnell behandeln zu können.

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