Urlaub 2020

An der Küste wird es eng - welche Urlaubsziele sonst noch lohnen

In den letzten Wochen schien der Sommerurlaub im Jahr 2020 wegen der Corona-Krise auszufallen. Doch mit den aktuellen Lockerungen gibt es Hoffnung für die Reisebranche und Urlauber. Doch wo soll man hinfahren?
08.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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An der Küste wird es eng - welche Urlaubsziele sonst noch lohnen
Von Jürgen Hinrichs
An der Küste wird es eng - welche Urlaubsziele sonst noch lohnen

Noch sind die Strände leer wie hier auf der Insel Rügen. Trotz Corona-Krise könnte das aber bald wieder anders aussehen.

Stefan Sauer /dpa

Michel Baumeister ist in diesen Tagen ein gefragter Mann. „Die Telefone glühen, die Ohren pfeifen“, beschreibt er die Lage. Glück und Zufall, ihn an den Apparat zu bekommen, denn es ist schwer was los in seiner Firmenzentrale in Wuppertal. „Wir bekommen jeden Tag 250 E-Mails und müssen jetzt alles auf einmal erledigen: Umbuchungen, Stornierungen, Neubuchungen“, sagt der Unternehmer. Stress hört man bei ihm trotzdem nicht raus, im Gegenteil, da ist Vergnügen in seiner Stimme, eine große Lust, sich der Herausforderung zu stellen.

Schlüssel zum Glück

Baumeister sitzt mit seiner WFV GmbH auf rund 700 Ferienwohnungen. Und die sind nicht irgendwo in Deutschland, schon gar nicht in Wuppertal, sondern dort, wo jetzt alle hinwollen, weil es schöne Ziele sind und solche ohne nennenswerte Gefahr, denn das Corona-Gespenst spukt woanders. Die Wohnungen verteilen sich auf vier Inseln: Borkum, Juist, Wangerooge und Rügen. Best places, keine Frage. Nicht dass es seine Wohnungen sind, Baumeister verwaltet sie nur, die Eigentümer sind viele andere.

Er hat aber den Schlüssel zum Ferienglück, über ihn laufen die Buchungen, er kümmert sich mit seinen 100 Angestellten auf den Inseln auch um die Reinigung und den ganzen Kram. 50.000 Gäste sind es jedes Jahr, die für ein paar Tage, manchmal auch für Wochen, den Mühen des Alltags entfliehen und dabei merken, wie schnell in so einer Umgebung Erholung einsetzt. Die Inseln sind ja nicht weit weg, aber schon auf der Fähre setzt das Gefühl ein, auf dem Weg nach ganz Woanders zu sein.

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„Halb Deutschland ist urlaubsreif“, sagt Baumeister. Wenn es einen Seismografen für diesen Befund gibt, dann sind es die Ferienhausvermittler. Doch wie halb Deutschland unterbringen? Ins Ausland können die Menschen nicht reisen, jedenfalls zurzeit nicht. Und die Hotels, die demnächst auch wieder in Betrieb gehen dürfen, werden wegen der Corona-Auflagen nur mit halber Kraft fahren.

Die Behörden schreiben vor, zunächst lediglich 50 Prozent der Betten zu belegen. Also wächst der Nachfragedruck auf dem Markt mit Ferienwohnungen noch einmal mehr. „Eigentlich sind wir ausgebucht“, sagt Baumeister. Dann aber auch wieder nicht, schränkt er ein. Der Grund: „Gerade unsere älteren Kunden sind noch etwas unsicher, sollen sie fahren, sollen sie nicht? Deshalb kommt es immer mal wieder zu Stornierungen.“ Das sind die Lücken, in die noch gestoßen werden kann, wenn sie sich auftun.

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Dass Ferienwohnungen erst nach sieben Tagen wieder belegt werden dürfen, um die Gästefrequenz zu dämpfen, findet der Vermittler nicht hinderlich. Und das, obwohl die Regelung auch dann gilt, wenn die Gäste vorab nur für drei oder vier Tage gebucht haben und die Vermieter an den restlichen Tagen in die Röhre gucken. „Wir gehen auf die Hauptsaison zu, und da ist es doch sowieso so, dass in der Regel für eine Woche oder zwei Wochen reserviert wurde.“

Rares Gut

Die Ferienwohnung als rares Gut. Allemal, wenn sie einen Strand in der Nähe hat, die Dünen, das Meer. Dafür muss man kein Volkswirtschaftler sein, um messerscharf die folgende Schlussfolgerung zu ziehen: Was rar ist, wird teuer. Logisch. „Ja“, sagt Baumeister, „wir kriegen das mit, es gibt einen Preisanstieg." Unter seinen Eigentümern würden das aber nur die wenigsten machen, und wenn, dann nur sehr moderat: „Die sind einfach froh, dass sie wieder vermieten können.“ Außerdem wäre es kurzsichtig, plötzlich die Preise zu erhöhen, um Verluste der vergangenen zwei Monate aufzufangen, meint Baumeister: „Wir leben von unseren Stammgästen, es wäre töricht, sie zu vergraulen.“

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Insel geht immer, wissen die Inselkenner. Baumeister weiß das auch. Obwohl vieles an den Schulferien hängt, will er dieses Jahr versuchen, die Hauptsaison zu verlängern, vielleicht in den Herbst, vielleicht sogar in den Winter hinein. „Halb Deutschland ist urlaubsreif“, hat er gesagt. Baumeister möchte mithelfen, dass halb Deutschland Zeit und Gelegenheit bekommt, diesen Urlaub auch anzutreten.

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