Kommentar Mängel bei Corona-Warn-App

Es muss noch einiges getan werden

Bananen-Software nennt man in der IT-Branche digitale Produkte, die wie die Südfrucht bewusst unreif ausgeliefert werden - so wie die Corona-Warn-App.
26.06.2020, 05:00
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Es muss noch einiges getan werden
Von Timo Thalmann
Es muss noch einiges getan werden

Corona-Infektionen können zurzeit nur über Telefon und nicht direkt über die Corona-App gemeldet werden.

MICHAEL KAPPELER/dpa

Bananen-Software nennt man in der IT-Branche digitale Produkte, die wie die Südfrucht bewusst unreif ausgeliefert werden, um dann mit der Zeit beim Kunden fertig zu werden. So eine grüne Banane ist auch die Corona-Warn-App. Klar, das Stückchen Software auf dem Smartphone ist da und es funktioniert. Aber für rund 60 Millionen Euro soll die Telekom als Hauptentwickler auch die zugehörige Prozesskette der Datenverarbeitung liefern und das hat sie bislang nicht getan, also im Grunde ein unfertiges Produkt geliefert. Wäre es in der gleichen Zeitspanne möglich gewesen, eine vollständige Lösung zu bauen? Vermutlich eher nicht, denn das Projekt hat strenge Rahmenbedingungen des Datenschutzes, sodass für praktikable Lösungen viele Rädchen ineinandergreifen müssen. Das betrifft nicht nur die Technik, sondern auch juristische und organisatorische Aspekte. Und die App existiert nicht im digitalen Niemandsland. Ihr Datenfluss sollte sich in vorhandene Systeme und Prozesse einfügen. Die Telekom hat das wohl gar nicht erst ernsthaft versucht. Die App zeigt beispielhaft, dass technische Fragen bei der Digitalisierung meist das kleinste Problem sind.

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