Ruf nach schärferen Regeln / Bremen hält sich zurück Dämpfer für Motorradlärm

Der Straßenverkehr ist Lärmverursacher Nummer eins. Und wenn es so richtig laut wird, sind meistens Motorräder in der Nähe. Baden-Württemberg plant jetzt eine Bundesratsinitiative gegen Motorradlärm. Bremen wiederum sieht die Bekämpfung des Bahn- und Fluglärms eher als vordringlich an. Und Niedersachsen bevorzugt andere Methoden, um Menschen vor Motorradlärm zu schützen.
28.07.2012, 05:00
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Dämpfer für Motorradlärm
Von Justus Randt

Der Straßenverkehr ist Lärmverursacher Nummer eins. Und wenn es so richtig laut wird, sind meistens Motorräder in der Nähe. Baden-Württemberg plant jetzt eine Bundesratsinitiative gegen Motorradlärm. Bremen wiederum sieht die Bekämpfung des Bahn- und Fluglärms eher als vordringlich an. Und Niedersachsen bevorzugt andere Methoden, um Menschen vor Motorradlärm zu schützen.

UND FRAUKE FISCHER

Hannover·Bremen. Der Nienstedter Pass ist eine der beliebtesten Motorradstrecken in Niedersachsen. Schon seit 24 Jahren wird er zum Schutz der Anwohner regelmäßig gesperrt. Die Straßenverkehrsordnung sei ein ausreichendes Instrument zur Lärmregulierung, sagt Christian Budde, Sprecher des Verkehrsministeriums in Hannover. "Sonntags haben sich da mehrere Hundert Motorradfahrer getroffen und sind über die Serpentinenstrecke durch Nienstedt und Egestorf nach Barsinghausen geheizt", sagt Heiko Knigge. Ganze 277 Meter liegt die Passhöhe über dem Meeresspiegel, aber die Strecke durch den Wald ist die steilste und höchste weit und breit. "Als Jugendlicher fand ich das interessant." Heute, als Sprecher der Stadt Bad Münder, die auf der südlichen Seite des Passes am Deister liegt, wirbt er um Verständnis für die Sperrung: "Es gab immer mehr Beschwerden wegen des Lärms."

Geballter Anwohnerprotest hat dazu geführt, dass die Landesstraße 401 zwischen Egestorf und Nienstedt für Motorradfahrer gesperrt ist, und zwar sonn- und feiertags von 6 bis 22 Uhr. Beim Landkreis Hameln-Pyrmont ist das denkwürdige Ereignis noch präsent: "Das geschah auf straßenverkehrsbehördliche Anordnung des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums vom 13. Juli 1988, um die Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten und zum Schutz der Wohnbevölkerung", weiß Behördensprecherin Sandra Lummitsch. Und dass es viel Ärger um die Sperrung gab. Aber das Oberverwaltungsgericht Lüneburg bestätigte die Entscheidung.

Motorradlärm war schon vor Jahrzehnten ein Problem. Aber insbesondere dort, wo es mehr und kurvenreiche Spaßstrecken für Zweiradfahrer gibt, wird zunehmend gegen den Krach gekämpft. "Die Maschinen werden immer großvolumiger und damit lauter, es ist ein Ärgernis", sagt René Weinandy, Fachgebietsleiter für Lärmminderung im Verkehr beim Umweltbundesamt (UBA).

Baden-Württembergs Verkehrs-Staatssekretärin Gisela Splett wurde 2011 zur Lärmschutzbeauftragten des Landes berufen. Dieser Tage hat sie ihren ersten Bericht vorgelegt. Demnach wurde bereits beschlossen, eine Bundesratsinitiative gegen Motorradlärm anzuregen. Bisher, sagt sie, fehlten "wirksame europäische Vorschriften, um den Lärm von Motorrädern zu verringern analog zu den Euro-Normen für Abgase".

Bremen, versichert Senatssprecher Hermann Kleen, habe grundsätzlich "Lärm auf der Tagesordnung". Ein zweiradtypisches Problem sehe der Senat aber derzeit nicht.

Ob Niedersachsen eine solche Gesetzesinitiative unterstützt? "Uns liegt der Entwurf aus Baden-Württemberg noch gar nicht vor", sagt Ministeriumssprecher Budde. "Die mit der Straßenverkehrsordnung bestehenden Regelungen reichen zum Schutz der Bevölkerung aus." Motorradfahrer hätten schließlich Anspruch auf die Nutzung der Straßen-Infrastruktur, "Man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Grundproblem ist die Kontrolle. Es sind fünf bis zehn Prozent, die die Lärmwerte überschreiten", sagt Budde.

Diese Einschätzung teilt die Polizei, die im April 2010 in Berlin beim "Verbraucherforum Motorradlärm" des UBA vertreten war – ebenso wie Gesundheits- und Ingenieurswissenschaftler, Motorradfahrer, Anwohner, Umweltverbände und Motorradhersteller. Fazit des UBA: "Allseits kritisiert wurden Tricks und illegale Praktiken insbesondere in Bezug auf laute Ersatzschalldämpfer und deren Manipulation." Der Grenzwert liegt bei 80 Dezibel. Es gehe nach wie vor darum, verlässliche und praktikable Methoden zur Fahrgeräuschmessung zu entwickeln, sagt Weinandy.

Die Verstöße werden "juristischen und technischen Schwierigkeiten im Vollzug und mangelhaften Sanktionsmöglichkeiten" zugeschrieben, so Weinandy. Der Gesetzgeber sei gefragt, etwa Geldbußen zu erhöhen. 59 Prozent der Bevölkerung fühlen sich durch Verkehrslärm belästigt, weiß das UBA. Kommentar Seite 2

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