Prozess gegen Silvio S. geht weiter „Das hätten wir ihm nicht zugetraut“

Potsdam. Unnahbar, distanziert, verschlossen – seine Nachbarn in der Kleingartenkolonie im brandenburgischen Luckenwalde zeichnen alle ein ähnliches Bild von Silvio S. „Er war schon ein komischer Typ“, sagt Jessica L.
21.06.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Wiebke Ramm

Potsdam. Unnahbar, distanziert, verschlossen – seine Nachbarn in der Kleingartenkolonie im brandenburgischen Luckenwalde zeichnen alle ein ähnliches Bild von Silvio S. „Er war schon ein komischer Typ“, sagt Jessica L. am Montag vor dem Landgericht Potsdam. Ihr Garten grenzte an den Garten des Angeklagten.

Silvio S. ist angeklagt, zwei Kinder ermordet zu haben. Elias, sechs Jahre alt, soll er am 8. Juli 2015 in sein Auto gelockt haben, um ihn sexuell zu missbrauchen. Der Junge wehrte sich. Silvio S. hat ihn laut Anklage erdrosselt. Die Leiche vergrub der heute 33-Jährige in seinem Kleingarten. Wenige Monate später soll Silvio S. das nächste Kind ermordet haben. Vor der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Berlin schnappte er sich am 1. Oktober 2015 den vierjährigen Mohamed. Er missbrauchte und ermordete ihn laut Anklage am nächsten Morgen.

Seine Nachbarn im Kleingartenverein sahen Silvio S. nur sporadisch. Er hat den Garten Ende 2014 gepachtet. Silvio S. sei immer nur kurz im Garten gewesen, sagen die Zeugen übereinstimmend. Was genau Silvio S. dort tat, sei ihnen verborgen geblieben. Sein Garten sei verwildert gewesen.Ein kurzes „Hallo“, mehr sei von Silvio S. nicht gekommen, sagt Jessica L. an diesem Tag vor Gericht. Einmal haben die 27-Jährige und ihr Freund Silvio S. angesprochen. Das Paar richtete den eigenen Garten gerade für die Geburtstagsfeier des Sohnes her, als Silvio S. mit dem Auto vorgefahren sei und eine große dunkle Kunststoffkiste aus dem Kofferraum gewuchtet habe. Sie dachten, dass sich in der Kiste Gartengeräte befinden, sagt Jessica L. „Na, dann kann‘s ja jetzt losgehen“, habe ihr Lebensgefährte zu Silvio S. gesagt. Sie seien davon ausgegangen, dass S. nun endlich seinen Garten herrichten wolle. Es war der 9. oder 10. Juli 2015. Silvio S. habe das Gespräch abgeblockt. Laut Staatsanwaltschaft lag in der Kiste die Leiche von Elias S.

Am Abend des 8. Juli war der sechsjährige Junge von einem Spielplatz im Wohngebiet in Potsdam verschwunden. Silvio S. hat gegenüber der Polizei gestanden, das Kind noch am selben Abend erdrosselt zu haben. Die Anklagebehörde geht davon aus, dass Silvio S. das tote Kind in der Kunststoffkiste zu seinem Kleingarten transportiert hat.„Es war für uns eindeutig, dass die Kiste gefüllt war“, sagt Jessica L. vor Gericht. Er habe Schweißperlen auf der Stirn gehabt, als er die Kiste aus dem Auto zog. Es schien ihn körperlich anzustrengen.

Nach der Festnahme von Silvio S. Ende Oktober 2015 führte er die Ermittler zur Leiche von Elias. Sie lag in einem großen Karton und war in seinem Kleingarten vergraben.

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