Bremen Debatte über Sexismus

Berlin. Die Sexismus-Vorwürfe der Berliner Bezirkspolitikerin Jenna Behrends gegen führende CDU-Politiker der Hauptstadt, an der Spitze den amtierenden Parteichef Frank Henkel, ziehen bundesweit Kreise auch über die Christdemokraten hinaus. Behrends war parteiöffentlich als „große süße Maus“ bezeichnet worden.
27.09.2016, 00:00
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Von Thomas Kröter

Berlin. Die Sexismus-Vorwürfe der Berliner Bezirkspolitikerin Jenna Behrends gegen führende CDU-Politiker der Hauptstadt, an der Spitze den amtierenden Parteichef Frank Henkel, ziehen bundesweit Kreise auch über die Christdemokraten hinaus. Behrends war parteiöffentlich als „große süße Maus“ bezeichnet worden. Henkel habe einen anderen CDU-Politiker gefragt, ob dieseR mit ihr Sex gehabt habe, berichtete die frisch gewählte Abgeordnete.

„Für mich ist die Aufregung nicht nachvollziehbar“, sagte die stellvertretende FDP-Vorsitzende Katja Suding dem WESER-KURIER. Fraglos gebe es „inakzeptable Äußerungen von Männern, die immer wieder gegenüber Frauen fallen“. Die Debatte gehe aber am eigentlichen Problem vorbei. „Ein echtes Problem ist doch vielmehr, wo zum Beispiel abhängig Beschäftigte am Arbeitsplatz angetatscht werden, oder ihnen sogar Schlimmeres passiert.“ Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) wollte die Vorgänge nicht kommentieren. Eine Sprecherin ihres Hauses erklärte, viele Frauen erlebten „Sexismus im Alltag.“ Es sei mutig, wenn sie dies offen ansprächen. Denn nur so werde „das Bewusstsein dafür geschaffen, dass sexistische Sprüche und ‚Herrenwitze‘ nicht nur altmodisch, sondern völlig inakzeptabel“ seien.

„Alltags-Sexismus gibt es überall“, betonte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF), Elke Ferner. „Frauen gelten als karrieregeil, Männer als erfolgsorientiert“. In den Parteien sei Sexismus „nicht weniger verbreitet als im Rest der Bevölkerung“, sagte Ferne, die auch Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium ist. „Aber in dieser Ausprägung habe ich das in der SPD noch nicht erlebt.“

Auch die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Nadine Schön, sagte, sie habe solche Erfahrungen noch nicht gemacht. Aber sie kenne dergleichen von Bekannten und Freundinnen, „egal, ob in der Politik, in der Wirtschaft oder auch in Vereinen und Verbänden“. Es gebe in solchen Fragen einen „Graubereich“, sagte Schön. Man müsse „unterscheiden zwischen einer laxen Bemerkung und einer Bemerkung, die dann einen verletzt und die sexistisch“ sei.

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