Demonstration in Köln

Eine Reihe von Organisationen hat einen Stopp international geförderter Programme zur Beschneidung von Jungen und Männern zur HIV-Prävention in Afrika gefordert. Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sagte in Berlin, aus menschenrechtlichen Gründen müssten die Programme abgelehnt werden.
07.05.2017, 00:00
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Von epd

Eine Reihe von Organisationen hat einen Stopp international geförderter Programme zur Beschneidung von Jungen und Männern zur HIV-Prävention in Afrika gefordert. Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sagte in Berlin, aus menschenrechtlichen Gründen müssten die Programme abgelehnt werden. Nach Angaben des Bündnisses von Organisationen, die sich gegen medizinisch nicht notwendige Beschneidungen einsetzen, werden die Eingriffe in einigen afrikanischen Ländern ohne Einwilligung der Eltern vorgenommen. Über Komplikationen werde nicht hinreichend aufgeklärt.

Zudem zweifelte Fegeler die Wirksamkeit der Programme an. „Will man wirklich HIV-Infektionen vermeiden, gibt es nur einen sicheren Schutz: das Kondom“, sagte er. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das UN-Programm UNAIDS fördern die freiwillige männliche Beschneidung, die Studien zufolge in 60 Prozent der Fälle zu einer effektiven Prävention vor HIV beitragen kann. Auch das deutsche Entwicklungsministerium erklärte, die Beschneidungen hätten sich als wirksame Präventionsmaßnahme erwiesen. Das Ministerium unterstütze umfassende Aufklärungsprogramme, in denen über Beschneidungen als eine von mehreren Maßnahmen beraten wird. Der Sprecher betonte außerdem, die Eingriffe müssten auf Freiwilligkeit beruhen.

Rund 40 Organisationen haben für diesen Sonntag zu einer Demonstration in Köln aufgerufen. Anlass ist der von ihnen ausgerufene „Welttag der Genitalen Selbstbestimmung“. Damit verweisen sie auf das am 7. Mai 2012 ergangene Kölner Urteil, das in einer religiös motivierten Beschneidung eine Körperverletzung sah und in Deutschland hoch umstritten war. Es löste eine breite Diskussion aus, weil Juden und Muslime eine zentrale religiöse Praxis in Gefahr sahen. Am Ende der Debatte stand ein Gesetz, das Beschneidungen von Jungen auch aus nicht-medizinischen Gründen weiter erlaubt, was beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sowie Betroffenenorganisationen nach wie vor auf Widerstand stößt.

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