Kommentar zur Pflege

Der Dienst am Menschen muss keinen Profit abwerfen

Traumberuf Altenpfleger? Hören Berufsberater wohl selten. Von Gesundheitsminister Spahn (CDU) kann man halten, was man mag, aber in puncto Pflege hängt er sich rein, meint Carolin Henkenberens.
27.03.2019, 21:04
Lesedauer: 1 Min
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Der Dienst am Menschen muss keinen Profit abwerfen
Von Carolin Henkenberens
Der Dienst am Menschen muss keinen Profit abwerfen

Spahn hat erkannt, wie ernst die Lage ist. Die Arbeitgeber laufen jedoch Sturm.

Christoph Schmidt / dpa

Ein Jahr ist es her, dass ein Bremer „Tatort“ die Nation aufwühlte: Ein Ehemann brachte darin seine demente Frau um, ein Pflegedienst beschäftigte unqualifiziertes Personal. Das mag überspitzt gewesen sein, traf aber einen Nerv. Die Situation in der Branche ist dramatisch. Kein Wunder. Der Kostendruck sorgt für miese Arbeitsbedingungen.

Die gesellschaftliche Anerkennung ist gering. Traumberuf Altenpfleger? Hören Berufsberater wohl selten. Dabei ist Pflegen viel mehr, als nur alten Menschen den Hintern abwischen. Von Gesundheitsminister Spahn (CDU) kann man halten, was man mag, aber in puncto Pflege hängt er sich rein. Er weiß um den Frust und stellt sich Kritikern. Am Mittwoch traf er eine Krankenschwester, die das seit Jahresbeginn geltende Gesetz für mehr Pflegepersonal für einen „Witz“ hält. Ihr Urteil ist zu hart.

Spahns Gesetz schiebt eine Reihe wichtiger Maßnahmen an, etwa die Finanzierung von deutlich mehr Pflegepersonal in Krankenhäusern und von 13 000 Kräften in der vollstationären Altenpflege. Natürlich bringt das der ambulanten Pflege nichts und löst nicht die Frage, woher das Personal kommen soll. Die Personalfrage will der Minister nun angehen: über bessere, bundesweit einheitliche Tariflöhne. Dass er sich dafür stark macht zeigt: Spahn hat erkannt, wie ernst die Lage ist.

Die Arbeitgeber laufen jedoch Sturm. Manch einer sieht die Marktwirtschaft ausgehebelt, wenn zu den vielen gesetzlichen Vorgaben zu Qualität oder Preis auch noch gleiche Löhne kämen. Da ist was dran. Aber wäre das so schlimm? Der Dienst am Menschen muss keinen Profit abwerfen. Der Gewinndruck in Krankenhäusern, Altenheimen und ambulanten Pflegediensten führt zu einem unwürdigen Umgang mit unseren Mitmenschen. Das frustriert jede motivierte Fachkraft und drückt aus, dass uns Alte und Kranke wenig wert sind. Damit muss Schluss sein. Dann kann Pfleger oder Pflegerin auch ein Traumjob sein.

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