Kommentar zur Türkei Der gescheiterte türkische Putschversuch ist ein Sumpf

Das jetzt veröffentlichte Protokoll zum Putschversuch in der Türkei zeigt, wäre in Demokratien Stoff für Untersuchungsausschüsse. In der Türkei schweigt man, kommentiert unser Korrespondent.
08.02.2019, 20:36
Lesedauer: 1 Min
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Von Frank Nordhausen

Je mehr Zeit seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vergeht, desto klarer wird, dass die Staatsführung um Präsident Erdogan vom geplanten Umsturz wusste, ihn geschehen ließ und möglicherweise lenkte. Das nun publizierte staatsanwaltliche Protokoll der Putschnacht, dessen Echtheit außer Frage steht, ist ein Dokument, wie es sich Verschwörungstheoretiker kaum ausdenken könnten. Es wirft ein Schlaglicht auf die Machenschaften des neuen „tiefen Staates“ in der Türkei – jener Kreise in Regierung und Justiz, die offenbar genau das taten, was sie ihren Gegnern vorwerfen: den militärischen für einen zivilen Putsch zu nutzen, um ihre Feinde zu eliminieren.

Sie fühlten sich dabei so sicher, dass sie Papiere wie das ominöse Protokoll in offizielle Gerichtsakten einführten. Der türkische Putschversuch ist ein Sumpf, aus dem Blasen aufsteigen, die immer stärker stinken. Das betrifft auch die Gülen-Sekte, deren Geheimkommandos den Umsturz wollten und dabei womöglich in eine Falle liefen – Stoff für viele Untersuchungsausschüsse in einer Demokratie. In der Türkei traut sich niemand, darüber zu sprechen. Wie lange noch?

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